Fader Zauber
Im Juli 2005 auf der Bühne des Prinzregententheaters gezeigt, war Christoph Loys Produktion von Händels «Alcina» einer der größten Erfolge in der Geschichte der Münchner Opernfestspiele. Von einer «frappierenden Lebendigkeit und Frische, aber auch Innigkeit und Tiefe» des Bayerischen Staatsorchesters unter Ivor Bolton wusste «Opernwelt» (siehe OW 09-10/2005) zu berichten, aber vor allem von einem überwältigenden Ensemble. Ein offenbar großer Abend, bei dem man gern dabei gewesen wäre – und den man dennoch lieber nicht auf CD nachhören sollte.
Denn wie so oft relativiert die nüchterne Tonkonserve den sinnlichen Totaleindruck. Boltons Händel-Stil ist in seiner pauschalen Hurtigkeit, der rhythmischen Niedrigspannung und nicht besonders imaginativen Phrasierung von Details eben doch nur eine unbefriedigende Kompromisslösung. Fataler noch, dass mit Anja Harteros eine Sängerin im Zentrum der Aufführung steht, die schlichtweg keine Schallplattenstimme besitzt. Schon auf Harteros’ Sony-Recital war ihr großer, lyrisch strömender Sopran kaum wiederzuerkennen, und auch in dieser, klanglich etwas vorteilhafteren, Aufnahme fehlen die Frequenzen, die Harteros’ Stimme im Raum rund und ebenmäßig ...
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