Europa in Amerika
Er hat es wieder einmal geschafft: Ein Stück, das wir bis in die letzte Nuance zu kennen glaubten, gewinnt unter seinen Händen ein neues, aufregendes Gesicht. Dabei schien, was der ewig junge, in seiner Neugier nimmersatte Nikolaus Harnoncourt diesmal unter die Lupe nahm, von den bisherigen Brennpunkten seiner Forscherlust so weit entfernt wie nichts zuvor, die musikalische Aura des Objekts ihm so fremd wie ein Popsong von Madonna.
Und doch hatte man irgendwie geahnt (und gehofft), dass dieser Pionier selbst bei Gershwin unbekannte Schätze heben würde, als er sich für das Grazer Styriarte-Festival 2009 (und zu seinem 80. Geburtstag) eine Aufführung von «Porgy and Bess» wünschte. Und die Erwartungen wurden nicht enttäuscht – im Gegenteil.
Harnoncourt gelingt mit seiner Lesart nichts Geringeres als eine Rehabilitierung des Stücks im Kontext des modernen Musiktheaters. «Porgy and Bess», 1935 in Boston uraufgeführt, avancierte in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu einem Welterfolg – in einer verstümmelten Musical-Version, die sowohl der Tournee-Produktion der Everyman Opera Company zugrunde lag, die dem Werk in Europa zum Durchbruch verhalf, als auch Otto Premingers ...
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