Ehrenrettung
In der Literatur über Puccini besteht Einigkeit darüber, dass seine zweite Oper «Edgar» misslungen ist. Der Komponist selbst sprach von einem «kranken Organismus». Nach dem
Erfolg, den sein Erstling «Le Villi» 1884 in einem kleinen Mailänder Theater hatte, erhielt er von Giulio Ricordi den Auftrag zu einer neuen Oper. Die Arbeit daran zog sich über vier Jahre hin, ohne dass der Verleger die Geduld verlor.
Ein weiteres Mal musste Puccini den damals gefragten Literaten Ferdinando Fontana als Librettisten akzeptieren, der ohne Gespür für die Erfordernisse eines zeitgemäßen Musiktheaters eine Vorlage von Alfred de Musset, das Versdrama «La Coupe et les Livres», zu einem kruden Kolportagestück umformte. Die Grundkonstellation der Opernhandlung weist augenfällige Parallelen zu «Carmen», aber auch zu «Tannhäuser» auf, zwei Werken, die für die Komponisten der sogenannten «giovane scuola», zu der auch Puccini zählte, eine Art Wegweiser waren. Ein impulsiver, labiler Mann steht zwischen zwei gegensätzlichen Frauen, der einfältig-braven, aber seelenstarken Fidelia, und dem Weibsdämon Tigrana, der natürlich eine Zigeunerin sein muss.
Als Edgar nach langen und schicksalsreichen Irrfahrten den ...
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