Euridike, emanzipiert
Sieht man einmal von der «Hoffmann»-Oper ab, gehört Offenbach an deutschen Stadt- und Staatstheatern nicht unbedingt zum Kernrepertoire. Rundum geglückte Aufführungen seiner Operetten sind sogar äußerst rar. Nun hat das Haus in Darmstadt «Orpheus in der Unterwelt» herausgebracht – und man möchte fast von einer gelungenen Produktion sprechen. Die Ulk-Mythologie in ansehnlicher Gestalt, das ist ja schon was.
Die vor 150 Jahren gnadenlos kommerzielle Komponente des Offenbach’schen Musiktheaters scheint heute zum Musealen geadelt – sicher auch ein Handicap bei dem Versuch, den anarchistischen Biss seiner Stücke zu bewahren. Glückte das Jérôme Savary mit seinen taumelnd opulenten Bilder-Exzessen? Wird das in roh karnevalesken Neu-Adaptionen erreicht? Vielleicht kam die Offenbach-Essenz (einschließlich ihres musikalischen spiritus) nirgendwo besser zum Vorschein als in den einsamen Operetten-Rezitationen des genialen Vortragskünstlers Karl Kraus. Aber auch die waren natürlich zeitgebunden, sind unwiederholbar.
Die Darmstädter Regisseurin Cordula Däuper versuchte Synthesen (nicht Kompromisse) auf hohem Niveau. Sie verzichtete auf schrille Aktualisierungen, auch die deutsche ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Hans-Klaus Jungheinrich
«Seit ich ihn gesehen ...»: Ein Frauenleben in neues Licht, neue Farben getaucht. Schwärmerische Gefühle einer demütig dem Manne hingegebenen Frau, beschrieben aus der Perspektive eines Mannes – des Dichters Adelbert von Chamisso. Seine Verse sind, wie man in Zeiten von Neofeminismus und Gender-Debatten sagen würde, politically incorrect; widerspruchsfrei ist das...
Um Kopf und Kragen
110 Jahre alt ist sie mittlerweile und lässt immer noch die Schleier fallen: Strauss’ «Salome». Auch in diesem Jahr tanzt die Blutrünstige munter durch die Opernlandschaft. Zum Beispiel in Coburg, Detmold und Bonn. Wir haben uns umgesehen.
Kitsch und Kälte
Dmitri Tcherniakov ist bekannt für die Mischung von Abgrund und Oberfläche, den sezierenden...
Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse Mädchen überall hin. In der Lübecker Aufführung von Hector Berlioz’ «La Damnation de Faust» darf Marguerite nicht als unschuldige Seele dem Ruf der himmlischen Geister folgen. Sie ist vielmehr ein gefallener Engel, der sich in einen Vamp verwandelt und den Verderber umarmt, lasziv küsst: Méphistophélès. Marguerite hat viel...
