Zur Kenntlichkeit entstellt

Berlioz: La Damnation de Faust Lübeck / Theater

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Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse Mädchen überall hin. In der Lübecker Aufführung von Hector Berlioz’ «La Damnation de Faust» darf Marguerite nicht als unschuldige Seele dem Ruf der himmlischen Geister folgen. Sie ist vielmehr ein gefallener Engel, der sich in einen Vamp verwandelt und den Verderber umarmt, lasziv küsst: Méphistophélès. Marguerite hat viel durchmachen müssen in der Inszenierung von Anthony Pilavachi, etwa eine Vergewaltigung durch den sein infernalisches Ständchen («Devant la maison») singenden Teufel.

Er übernimmt die Aufgabe, die der impotente Faust nicht erfüllen kann, als dessen Alter Ego. Von der Musik ist das gedeckt, schließlich ist er dem Mädchen durch eine musikalische Chiffre verbunden: die übermäßige Quart.

Der auf Zypern geborene irische Regisseur hat die «Légende-dramatique» in einer faszinierenden, stringenten, auch willkürlichen Umformung zur Kenntlichkeit entstellt. Das Stück spielt in Faustens Studierstube, deren dunkelblaue Wände und Decken mit Formeln und Schriftzeichen bedeckt sind. Die Schlafstätte des Protagonisten – er schlurft, angeekelt von der Welt und von sich selbst, in grauer Ski-Unterwäsche herum – gleicht dem Notlager eines ...

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Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Jürgen Kesting

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