Erlösung dem Erlöser?
«Parsifal» war Wagners letzte Karte – mit dem Weltüberwindungswerk vom «reinen Toren» wollte er eine Kunstreligion stiften. Thilo Reinhardt unterzog das pseudosakrale «Bühnenweihfestspiel» in seiner Wuppertaler Inszenierung einer radikalen Gegenlektüre. Mit seinem Bühnenbildner Harald Thor verlegte er Wagners «heiligen Bezirk» im ersten Akt in die Sporthalle eines Elite-Internats oder einer schlagenden Studentenverbindung, den männerbündischen Charakter der esoterischen Gralsgesellschaft betonend.
Es befremdet zunächst, Gurnemanz als Fechtlehrer einer Erziehungsdiktatur zu sehen. Aber das konsequent durchgehaltene Bild des Fechtens entwickelt eine eigene Logik. Der anfänglichen Harmlosigkeit werden mit dem Auftritt des schwerkranken Institutsdirektors Amfortas, dann des Außenseiters Parsifal erste Risse versetzt; im Aufmarsch der Gralsritter – der Parodie eines farbenprächtig und detailsatt inszenierten burschenschaftlichen Stiftungsfestes – bricht sie vollends in sich zusammen. Die Enthüllung des Grals wird zum blasphemischen Ritual. Der Wein, den der wie Christus ans Kreuz geschlagene Amfortas der lechzenden Menge spendet, ist sein eigenes Blut.
Die Szenerie kehrt im dritten Akt ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Uwe Schweikert
Als Fritz Busch in den 1930er-Jahren in Glyndebourne Mozart aufführte, ließ er die Rezitative selbstverständlich von einem Konzertflügel begleiten. Erst nach 1950 sollte sich das Cembalo als Begleitinstrument durchsetzen – bei Mozart, bei Rossini und noch für eine späte Oper mit recitativi semplici wie Donizettis «Liebestrank» von 1832.
Diese Entscheidung beruhte...
Eingekürzte «Zauberflöten» oder Kinderfassungen des «Freischütz» sind ja ganz nett. Aber den gewachsenen Ansprüchen an die Kinderoper genügen sie nicht. Und Humperdincks «Hänsel und Gretel» erscheinen doch langsam – pardon, das ist nicht hexenfeindlich gemeint – ein wenig ausgebrannt. Neue Stücke müssen her. Stücke, die den Zeitgeist treffen und einem jungen...
Eigentlich muss man Andris Nelsons sehen. Wie er sich hinter Partitur und Dirigentenpult duckt, als wolle er von den Klangwellen, die er eben entfesselte, nicht weggespült werden. Und wie er dann als Springteufel wieder hochkommt. In dieser CD-Einspielung von Wagners «Fliegendem Holländer» aus Amsterdam sieht man ihn nicht, doch man spürt Nelsons Körpersprache in...
