Ensemblekultur
Als im Januar 1962 an der Londoner Covent Garden Opera der Vorhang zu einer neuen «Zauberflöte» unter Otto Klemperers Leitung aufging, waren die Erwartungen hoch – galt seine Einstudierung des «Fidelio» im Vorjahr doch als Offenbarung. Der Mozart aber geriet zur Enttäuschung, vor allem szenisch (der Maestro hatte sich ausbedungen, selbst die Regie zu übernehmen). Aus heutiger Sicht unbegreiflich ist die harsche Kritik an Klemperers Bestehen auf der Originalsprache, doch bis dato war das beliebte Stück hier ausschließlich in der Landessprache gegeben worden.
Das britische Label Testament hat nun den Mitschnitt der Premiere erstmals auf CD veröffentlicht, ein Dokument, das nicht nur für Nostalgiker und Verehrer des Dirigenten von Interesse ist. Dem späten Klemperer wurde oft ein Hang zu breiten, manchmal schwerfälligen Tempi vorgeworfen. In der Tat sind viele Nummern – etwa das Entree der Königin – extrem langsam, doch die Tempi sind flexibel: Die Papageno-Szenen klingen beschwingt, die Sarastro-Auftritte sind nicht weihevoller als nötig, und die Pamina-Arie nimmt Klemperer deutlich rascher als Furtwängler oder Böhm, die wie er noch einem romantischen Mozart-Ideal huldigen. Die ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: CD des Monats, Seite 21
von Ekkehard Pluta
Während man sich in Mailands Messe-Pavillons seit der Eröffnung der Weltausstellung Expo 2015 am 1. Mai dem globalen Thema «Welternährung» widmet, erwies man zur Saisoneröffnung an der Scala am selben Abend mit einer Wiederbelebung der «Turandot»-Inszenierung von Nikolaus Lehnhoff (2002) neben Puccini zwei weiteren nationalen Musikgrößen Reverenz: Luciano Berio,...
Sie haben es versucht im Staatstheater Oldenburg. Das muss man anerkennen, auch wenn die Sache szenisch gründlich schief ging, ja zum Ärgernis geriet. Denn «La Dame Blanche» hätte es wahrlich verdient, auf Augenhöhe wiederentdeckt zu werden. Seit 16 Jahren gab es in Deutschland keine neue Inszenierung mehr. Dabei war sie, 1825 uraufgeführt, bis Ende des Ersten...
Kaum zu fassen, dass das Publikum der Pariser Opéra Bastille ganze 112 Jahre auf Ernest Chaussons Meisterwerk «Le Roi Arthus» warten musste! Die Oper wurde 1903 am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel uraufgeführt, kam also ein Jahr nach Debussys «Pelléas et Mélisande» heraus – und vier Jahre, nachdem der Komponist mit seinem Fahrrad verunglückt war. Chaussons...
