Zappelduster
Sie haben es versucht im Staatstheater Oldenburg. Das muss man anerkennen, auch wenn die Sache szenisch gründlich schief ging, ja zum Ärgernis geriet. Denn «La Dame Blanche» hätte es wahrlich verdient, auf Augenhöhe wiederentdeckt zu werden. Seit 16 Jahren gab es in Deutschland keine neue Inszenierung mehr. Dabei war sie, 1825 uraufgeführt, bis Ende des Ersten Weltkriegs (vielleicht hat man in Oldenburg die Handlung deshalb in diese Zeit verlegt) nicht ohne Grund eine der beliebtesten französischen Opern überhaupt.
Unsichere Zeiten herrschen in François Antoine Boieldieus Partitur. Rhythmische Kühnheiten, exzessive Punktierungen, Unodezimolen und Fünfvierteltakte zählen zu den Abenteuern, die erlebt, wer sich auf die Musik einlässt – ebenso wie wild-chromatische Ausbrüche, die immer wieder die göttlich-diatonische Harmonie gefährden: Alles scheint hier aus den Fugen. Und doch, schreibt Joseph de Maistre, der visionäre Philosoph der Restauration, «il ya un ordre caché», gibt es eine verborgene Ordnung. De Maistres politisches Projekt, nämlich die alte Ordnung im postnapoleonischen Frankreich wieder zur Geltung zu bringen, ist identisch mit dem musikdramatischen dieser Oper: Auch in ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Benno Schirrmeister
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