Einsamkeiten
Eine Abschiedssymphonie. Nach und nach erheben sich Choristen und Instrumentalisten von ihren Plätzen am Bühnenrand im Parkett und gehen nach draußen. Dido ist buchstäblich von allen verlassen. Niemand ist im Sterben bei ihr. Die letzte Note der Partitur bleibt in der Luft hängen. Nie war diese abgründige Todesmusik Henry Purcells trauriger, in aller Sanftheit trostloser. Und auch der milde Schlusschor will nicht recht versöhnen: Dido konterkariert den Klangbalsam des Vokalkollektivs mit Zuckungen und ächzenden Lauten.
Dieses Ende wird zum stillen Höhepunkt der «Dido and Aeneas»-Inszenierung von Barrie Kosky an der Oper Frankfurt. Die irische Mezzosopranistin Paula Murrihy gestaltet die weibliche Titelrolle mit einer Stimmkraft, die sich in somnambuler Ruhe entfaltet. (Neben ihr gerät der stimmschöne Bariton Sebastian Geyer fast zur Episodenfigur). Stationen der Ruhe kennzeichnen zuvor schon vor allem den musikalischen Eindruck der Purcell-Oper, die mit historischen Instrumenten und gambenbetontem Continuo in einer Stimmung von 415 Hz gespielt wird. Dabei entspricht die Schlussszene dem heutigen fis-moll: jener Tonart, in der «Herzog Blaubarts Burg» beginnt. Diese schöne ...
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Opernwelt Februar 2011
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Hans-Klaus Jungheinrich
Da sage einer, er sei nicht vorgewarnt! Gleich am Eingang des Opernhauses steht ein Korb mit Orangen, und wer von den keineswegs verbotenen Früchten kosten will, dem fällt unweigerlich ein Zettel in die Hand, der den einladenden Vitaminpräparaten beigepackt ist. Darin ist von einem Dr. Sergei Prokofjew die Rede, der die Arznei «Die Liebe zu den drei Orangen» als...
Berlin, 1986. In der Theatermanufaktur zeigt die Berliner Kammeroper «Elegie für junge Liebende». Ich betrete den Raum und bin sofort fasziniert: der offene Raum ungewöhnlich genutzt, rechts ein hervorragend spielendes Orchester unter der Leitung von Brynmor Jones, links auf einer Empore Regine Schudel als Hilde Mack, vor einem riesigen Alpenveilchen, das immer...
Vor knapp dreißig Jahren machte William Christie mit seiner Einspielung auf die vierzigminütige Minioper von Charpentier aufmerksam. Seitdem wird «Actéon» meist als Seitenstück zu Purcells «Dido and Aeneas» gegeben. So verdienstvoll Christies Pioniertat gewesen sein mag, so wichtig ist es, dass jetzt eine zweite Einspielung das Stück sozusagen auf den Ist-Stand der...
