Erlaubt ist, was gefällt

Hannover: Prokofjew: Die Liebe zu den drei Orangen

Opernwelt - Logo


Da sage einer, er sei nicht vorgewarnt! Gleich am Eingang des Opernhauses steht ein Korb mit Orangen, und wer von den keineswegs verbotenen Früchten kosten will, dem fällt unweigerlich ein Zettel in die Hand, der den einladenden Vitaminpräparaten beigepackt ist. Darin ist von einem Dr. Sergei Prokofjew die Rede, der die Arznei «Die Liebe zu den drei Orangen» als hoch wirksames Medikament gegen depressive Verstimmungen 1919 im «pharmazeutischen Labor» von Moskau entwickelt und zwei Jahre später erstmals in den USA getestet habe.

Offenbar mit solchem Erfolg, dass Boosey & Hawkes wie Bote & Bock das Opernprodukt nach wie vor in ihrem Verlagssortiment führen, und das trotz bekannter Nebenwirkungen: «Erhöhter Adrenalinspiegel, Muskelkater im Zwerchfell-Bereich, akute Realitätsflucht. Gelegentlich: Inkontinenz aufgrund zu starken Lachens.»

Wie so oft hält das Mittel nicht ganz, was es verspricht. Auf der Bühne ist die versammelte Ärzteschaft jedenfalls ratlos angesichts der Lethargie eines Prinzen, der sich in seine Langeweile bettet und mit der Videokamera beobachtet. «Hypochondrische Depression» lautet am Ende ihre hilflose Diagnose und kapituliert damit vor einer Krankheit, gegen die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2011
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Hartmut Regitz

Weitere Beiträge
Kinderkriegen erwünscht


Opern mit nur einem Akt sind in der Regel beim Publikum nicht sehr beliebt – Ausnahmen («Salome», «Elektra», «Bajazzo» mit «Cavalleria rusticana») bestätigen die Erfahrungen. Und Puccinis «Il trittico» zieht sich oft ziemlich in die Länge, so dass manche Theaterleiter kurzerhand nach der Premiere die «Suor Angelica» in den Fundus verbannen. An der Opéra de Lyon...

Im Goldrahmen

Die Kriterien für eine «Opera Rara» erfüllt Rossinis 1819 uraufgeführte «Ermione» nur noch sehr bedingt: In mittlerweile drei Aufnahmen ist die «Azione tragica» erhältlich, neben der Pioniereinspielung Claudio Scimones von 1986 zeugen inzwischen auch noch zwei prominent besetzte DVD-Mitschnitte aus Glyndebourne und Pesaro von dem wiedererwachten Interesse an dem...

Fallstudie, komödiantisch aufgelockert


Larina erwartet Gäste und zwängt sich, assistiert von Filipjewna, in ein viel zu eng gewordenes Kostüm. Ihr Körper vibriert in verzückter Tanzbereitschaft. Später, wenn die Landleute auftreten und ihr huldigen, legt sie eine flotte Sohle aufs Parkett. In der Inszenierung von Andrejs Zagars ist die Gutsbesitzerin eine abgedankte Theaterprinzessin, die auch auf dem...