Eins mit dem Anderen

Seit 70 Jahren betreiben die Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik ästhetische Grundlagenforschung. Doch wie verträgt sich die Utopie des autonomen Klangs mit den Ansprüchen von Musikdrama und Oper? Ein Zwischenruf des Komponisten HANS THOMALLA

Opernwelt - Logo

Ein persönlicher Text von mir zu Darmstadt und zur Oper hat etwas von der Perspektive eines Scheidungskindes. Ich fühle mich wie ein Zögling beider ästhetischer Sphären, deren Beziehungsstatus gut mit dem Facebook-Begriff «it’s complicated» beschrieben werden könnte. Er ist voller Widersprüche.

Deren genauere Betrachtung scheint jedoch interessant nicht bloß im Blick auf meine eigene künstlerische Identitätsbestimmung – dieselben Widersprüche kennzeichnen meine kompositorische Arbeit, insbesondere meine Opern «Fremd» und «Kaspar Hauser» –, sondern auch für das Verständnis der Identität beider Institutionen und ­ihrer Ästhetiken.

Für einen jungen Komponisten, der Ende der 80er-Jahre, Anfang der 90er-Jahre heranwuchs, hatte der Begriff «Darmstadt» bereits eine unglaublich starke Aura. Bis heute benennt er nicht einfach nur einen alle zwei Jahre stattfindenden Sommerkurs für Neue Musik, sondern er ist synonym geworden mit einer spezifischen musikalischen Ästhetik: der Utopie des befreiten Klanges. Befreit von außermusikalischer Rhetorik, Repräsentation, Ausdruck; von Tradition und ihren Stereotypen; von Tonalität im weitesten Sinne: aller Gesetzmäßigkeit «außerhalb» eines Werkes. Sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2016
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Hans Thomalla

Weitere Beiträge
König Posa

Elisabetta, wie sie ihr Glück mit Don Carlo erlebt. Die französische Königstochter, wie sie dieses Glück opfert. Wie sie sich angesichts der bitteren Armut im Land zur Ehe mit Carlos Vater Filippo II., dem spanischen König, bereit erklärt. Wie sie sich aus politischer, auch sozialer Verantwortung für ihr Volk ins absehbare Unglück begibt. Freudengesänge und...

Frischer Wind für Stuttgart

2012 verabschiedete sich Cornelius Meister vom Theater Heidelberg, das ihm 2005 den ersten GMD-Posten beschert hatte. Zwar leitet er seit 2010 mit Festvertrag das ORF Radio-Symphonieorchester Wien. Doch opernmäßig ist er auf Tour. Überall hat man den 36-Jährigen schon eingeladen – natürlich an die Wiener Häuser, aber auch nach München, Zürich, Covent Garden, an die...

Impressum

Impressum

57. Jahrgang, Nr 8
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752292

Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55 
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de

Redaktionsschluss dieser Ausgabe 
war der 07.07.2016

Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....