Eine Frage der Ähre
Jedes Land besitzt so viele Nationalopern, wie es verträgt. Zum Beispiel Dänemark. Man kennt «Maskarade» und «Saul und David», komponiert von Carl Nielsen. «Wenn man beide ansetzt», sagt der Intendant der Königlichen Oper von Kopenhagen, Sven Müller, «so sollte man bedenken, dass man sie nicht doppelt besetzen kann.» Für mehr als zwei dänische Nationalopern reiche die Zahl der im Land verfügbaren muttersprachlichen Sänger erst recht nicht aus. Eine Aufführung von «Saul und David» musste im April ausfallen, weil zwei Solisten erkrankt waren und nicht ersetzt werden konnten.
Nielsen gilt als musikalisches Nationalheiligtum seines Landes. Nicht wegen seiner Opern oder Symphonien, sondern wegen seiner knapp 300 äußerst populären Kunst-Volkslieder. Dänische Kinder lernen sie schon in der Grundschule. Seit Langem versucht man, Nielsen weltweit populärer zu machen. Mit einigem Erfolg: Sein Siegeszug in den USA führte etwa dazu, dass auch Herbert von Karajan Nielsens Vierte dirigierte – eine Folge des Carl-Nielsen-Preises, den man in den 60er-Jahren strategisch weitblickend an Leonard Bernstein verliehen hatte. Damals lernte Bernstein Nielsens Symphonien überhaupt erst kennen – und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Kai Luehrs-Kaiser
Wir hatten schon so etwas geahnt. Der Buschfunk aus der Herbert-von-Karajan-Straße, die wilden Spekulationen in den Medien, die Hysterie vor dem Tag aller Tage ließen keinen Zweifel: Die Wahl des neuen Chefs bei den Berliner Philharmonikern wird eine Hängepartie mit offenem Ausgang. Thielemann oder Nelsons? Vielleicht doch Chailly? Trotz allem eine Anfrage bei...
Das ist der Stoff, aus dem man Opernlibretti (oder Hollywood-Streifen) schneidert: Liebe und Leidenschaft bis in den Tod, Hochmut und Fall, Stolz und Vorurteil. Alles enthalten in Emily Brontës Roman «Wuthering Heights», der beim Erscheinen 1847 durchaus auf Widerspruch stieß, aber längst zum Kanon der englischen Literatur zählt.
Ein gutes Jahrhundert später machte...
In Marcel Prousts legendärem, von ihm selbst sogar zweimal ausgefüllten Fragebogen sowie seinen Nachfolgern gibt es die obligate Rubrik «Lieblingskomponisten». Häufig sind die Antworten der Prominenten kanonisches name dropping – mit Bach, Mozart und Beethoven an der Spitze. Fallen indes, selten genug, Namen wie Berlioz oder Mussorgsky, ist man schon eher geneigt...
