Ein Wurf
«Geschafft!», muss der Musiktheaterfreund dem Buchtitel entgegnen. «Zu schauen kam ich…», diesen Halbsatz des zum Wanderer gewandelten Wotan, hat die renommierte Theaterfotografin Monika Rittershaus als Titel ihres Doku-Bandes über Wagners «Ring des Nibelungen» gewählt. «…nicht zu schaffen», geht der Satz weiter – und dem ist eben zu widersprechen: Das Frankfurter «Ring»-Team hat es geschafft, und auch Monika Rittershaus ist es gelungen, viele der eindringlichen, ja bewegenden Momente der vier Abende im Bild zu bannen.
Einziges Manko: Die unvergesslichen dreieinhalb Minuten «Weltwerdung» zu Beginn des «Rheingold» müssten als kleines Video beigegeben sein. Als da nämlich Jens Kilians ingeniöse Weiterentwicklung der Bayreuther Weltenscheibe aus dem Dunkel auftauchte und Bibi Abels unprätentiöses Video Wasser und Wassertropfen als Lebensquell hinzufügte, da war ahnend zu hoffen «Das wird was!» Kilians gegen- und miteinander dreh-, heb- und senkbare Welten-Ringe erwiesen sich als wandelbares Einheitsbühnenbild, in dem Vera Nemirova reale wie surreale Spielzüge gestalten konnte. Szenen-Totale wie Ausschnitte wechseln. Ex-OB Petra Roth outet sich als Gegenbeispiel zur dominierenden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2012
Rubrik: Medien, CDs und DVDs, Bücher, Seite 30
von Wolf-Dieter Peter
Fünfzig Jahre ist es her, dass sie vergiftet in ihrer Wohnung in Los Angeles aufgefunden wurde. Und doch hat jeder beim Stichwort «Marilyn Monroe» immer noch Assoziationen und Bilder im Kopf: die platinblonden Haare, der Kussmund, «I wanna be loved by you». Eine tragische Ikone: Allzu unvereinbar blieben innere Wünsche und äußere Erwartungen. Dazu kommt der frühe...
Jean Cox erschien auf der Bühne immer jünger, als er war. Als er 1984 in einer «Meistersinger»-Aufführung der Bayreuther Festspiele als Stolzing einsprang, wirkte er frischer und agiler als der um zwei Jahrzehnte jüngere, eigentlich vorgesehene Kollege. Niemand wäre damals auf die Idee gekommen, dass dieser Tenor bald das Rentenalter erreichen würde. Die Stimme...
Bevor die Aufführung beginnt, liest der Besucher auf einer Schriftwand, dass sich das folgende Geschehen einige Jahre nach den in «Il trovatore» geschilderten Ereignissen begibt. Wie viele Jahre? Es müssen wohl 350 oder 400 vergangen sein, wenn ein Mann in Grau (Luna) das Foyer eines großräumigen Hauses mit mürb-roten Wänden betritt und von der Gastgeberin, einer...
