Ein Bett im Schnee
Es gibt sie ja, die Regisseure, die statt des ihnen aufgetragenen einen Werks gleich zwei oder drei auf einmal inszenieren. Patrice Chéreau war so einer, der Bedeutungsebenen übereinanderschichtete. Der aktuell bemerkenswerteste Fall ist Stefan Herheim. Und Norweger wie er ist auch der vom Schauspiel kommende Ole Anders Tandberg – der jetzt bei seinem Debüt am Zürcher Opernhaus mit «La Bohème» ebenso verfuhr. Da galt es natürlich dem, was Giacomo Puccini und seine Librettisten sich vorstellten, aber eben auch einer abendfüllenden Parallelaktion.
Die vier Hungerkünstler werkeln in einem norwegischen Volkshaus vor sich hin: Es gibt eine kleine Bühne auf der Bühne, auf der des Literaten Rodolfo neues Drama aufgeführt werden soll. Immer wieder wehen Paris-Fantasien vorüber. Auf der Miniaturszene steht, mitten im verschneiten Tannenwald, auch das Bett, in dem unser Dichter mit der Nachbarin Mimì verschwindet, ehe er mit seiner neuesten Eroberung im Pariser Heiligabend-Rummel auftaucht.
Dort erlebt die gewandte Inszenierung ihren turbulent-verquirlten Höhepunkt. Dabei gelingt es Tandberg im Einklang mit Puccinis Musik, die intimeren Momente aus dem Massenauflauf herauszulösen und in ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Heinz W. Koch
Der Mensch liebt es anscheinend, sich zu schinden. Etwa jeden Oktober auf der Hauptinsel von Hawaii beim «Ironman» – 3,86 km Schwimmen, 180 km auf dem Rad sowie die traditionelle Marathon-Distanz von 42,2 Kilometern (die «Eisenmänner» der letzten beide Jahre waren übrigens Deutsche). Ob es Barrie Kosky 2012 mit dem Monteverdi-Triathlon zu Beginn seiner Ära an der...
Armer Shakespeare! Wie haben sie ihn misshandelt!», nörgelte Giuseppe Verdi, nachdem er die Partitur zu Ambroise Thomas’ «Hamlet» durchgesehen hatte. Freilich meinte er damit vor allem das Libretto. Er hatte eigentlich ja selbst vor, einen «Hamlet» zu komponieren. Oder «Romeo und Julia». Oder den «Sturm». Oder aber, und vor allem, sein Lieblingsschauspiel «Lear»....
Das kann sich nur ein Opernhaus mit einem richtig guten Chor leisten: die Sänger in Parkett und Rängen unters Publikum zu mischen, ohne dass homogener Sound und differenzierte Musikalität verloren gehen. Auf William Spauldings exzellente Truppe an der Deutschen Oper ist da Verlass. Die Chöre in Verdis «Aida», von der Saalmitte aus gehört – in Benedikt von Peters...
