Ein Abschied, ein Abgesang
Das schrägste, schmierigste, schaurig-schönste Faktotum dieser «Erzählungen» ist der schlaksige Weißkittel, Doktor Spalanzani. Irgendwo treibt er sich immer herum auf der Bühne des Teatro Real. Manchmal schiebt er eine abgedeckte Leiche quer durch die ranzige Halle, in deren Mitte Aktmodelle für ergraute Eleven posieren, die mit dem Kohlestift die Zeit totschlagen. Dann hat er ein paar Gliedmaßen unter den Arm geklemmt, schlurft neckisch grinsend auf eine Tür zu, hinter der sich offenbar seine anatomische Wunderkammer verbirgt.
Gleich zu Beginn führt der Doktor eine krude, abgedrehte «Hoffmann»-Entourage durch Anna Viebrocks tristen Kunstraum, lahmendes Touristenpack, das nichts mehr aus der Bahn des Immergleichen werfen kann. Spalanzani ist der Zeremonienmeister in Christoph Marthalers routiniert-rätselhaftem Offenbach-Absurdistan, ein clownesker Feinmechaniker des Vergeblichen, der nicht nur die Puppe Olympia zum Singen bringt, sondern die ganze Chose – via Fernbedienung – in Gang hält.
Graham Valentine erledigt diese Aufgabe famos: ein diabolisch auflachender Connaisseur, der mit hämischer (Schaden-)Freude und knarrender, whiskeyrauer Stimme Rezitative und Couplets durchpflügt. ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Albrecht Thiemann
Hübsch ist der Tod. Sexy, ob im Pailletten-Fummel oder im Weißkittel als Dottoressa Mirakel. Vor allem aber: Er ist die heiße Affäre jenes Mannes, der nun aus dem Schattenreich zurückkommt – und vielleicht, wenn die Liebe der im Diesseits verbliebenen Mutter oder seiner Gattin stark genug ist, wieder unter die Lebenden darf. Ein Mann, drei Frauen, man ahnt es...
Blutrünstig ist sie, diese Familiengeschichte. Getränkt von Unausweichlichkeit, gelenkt von blindem Schicksal. Die Rede ist von «Thebans», einem Auftragswerk der English National Opera in Kooperation mit dem Theater Bonn. Der Londoner Komponist Julian Anderson und sein Librettist Frank McGuiness haben Sophokles’ drei Theben-Tragödien «König Ödipus», «Antigone» und...
Haben Sie sich die Zeit nach Ihrer Intendanz so vorgestellt?
Nee. Jedenfalls nicht so arbeitsreich. Ich hatte schon gehofft, etwas mehr Freizeit zu haben und das Zuhause genießen zu können. Ich bin fast genauso viel auf Reisen wie zu Sängerzeiten.
Man könnte sich auch dagegen entscheiden.
Ja, das stimmt wohl. Aber wenn man im Alter noch so gefragt ist, ist das schon...
