Editorial März 2018
Schaut man auf die Zahlen, die uns zum Thema «Besucherentwicklung» regelmäßig aus den Presseabteilungen bundesdeutscher Theater erreichen, scheint die Welt in bester Ordnung. Häufig werden da Rekordbilanzen präsentiert. Der Tenor beinahe aller für die Öffentlichkeit bestimmten Statistiken: Das Interesse ist enorm, Auslastung und Erlöse steigen.
Sieht man sich in den Häusern abseits von Premieren und special events um, ergibt sich oft ein anderes Bild. Nehmen wir einen gewöhnlichen Opernabend in einer mittelgroßen Stadt.
Auf dem Spielplan steht Verdis «Don Carlo», die fünfaktige Fassung, mit Fontainebleau-Aufzug. Doch was heißt hier gewöhnlich? Das Stück ist so geistreich wie gegenwartstauglich, seine musikalische Substanz über jeden Zweifel erhaben, kurzum: ein Meisterwerk. Auch wenn Inszenierung und vokales Niveau höchsten Ansprüchen nicht genügen mögen – die Aufführung besäße immer noch reichlich Qualitäten, um Zuschauer zu locken. Eigentlich sollte die Hütte voll sein, zumal wir hier von der zweiten Vorstellung einer Neuproduktion sprechen. Allein, die Reihen sind arg gelichtet. Eine Ausnahme? Oder doch eher Opernalltag?
Wer von Kiel bis Kassel, Braunschweig bis Bremerhaven, ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten & Albrecht Thiemann
Erst allmählich wird die Bühne zum Ort, gibt die Weite der Natur das gesellschaftlich Festumrissene frei. Die Freiburger Szene zu Leoš Janáčeks «Katja Kabanowa» stammt von Alfred Peter und sagt mehr als tausend Worte. Wie aus der Tiefe des Raumes herangezoomt, mit der Lupe betrachtet: zwei Zimmer wie Puppenstuben, Gefängnisse überwiegend bigotter Tradition – Enge,...
Bizarrer kann ein Titel kaum sein. Aber keine Sorge, er macht Sinn. «Crazy Girl Crazy» verknüpft drei Werke, die Barbara Hannigan besonders am Herzen liegen, wie sie im Booklet bekennt. Die «Mädchenzeit», so die kanadische Sängerin und Dirigentin, spiele dabei ebenso eine Rolle wie die Idee der Verrücktheit. «Nicht der Irrsinn, aber die Verrücktheit, verliebt zu...
Wenn es um die ersten Kontakte zwischen Jazz und klassischem Musiktheater geht, ist schnell von Křeneks «Jonny spielt auf» (1927) die Rede, von Brechts und Weills «Dreigroschenoper» (1928) und «Mahagonny» (1930), in jüngerer Zeit auch von den um 1930 entstandenen Operetten Paul Abrahams. Nie Erwähnung aber findet in diesem Zusammenhang Alexander von Zemlinskys...
