Editorial
So viel Lärm um Glyndebourne war wohl nie. Wie Donnerhall dröhnte es nach der ersten Premiere dieses Jahres über den lieblichen South Downs. Nicht, dass das seit 1934 auf einem Landgut in East Sussex veranstaltete Opernfestival seinen in Frack und Abendrobe anreisenden Habitués mit einem kühnen Programm zur 80. Sommersaison das Champagner-Picknick auf der Wiese verhagelt hätte. Nicht, weil Robin Ticciati mit seinem ersten Dirigat als Musical Director den neuen «Rosenkavalier» ramponiert oder Richard Jones ihn mit seiner ersten Strauss-Inszenierung britpopmäßig verblasen hätte.
Auch das singende Personal gab keinen Anlass zu heftigen Beschwerden – ums Singen ging es am wenigsten, als Kritiker renommierter britischer Tageszeitungen sich auf die irische Mezzosopranistin Tara Erraught einschossen. Mit despektierlichen Bemerkungen über deren körperliche Statur: «Plump» und «unansehnlich» sei das Wesen, das im Festspielhaus den Octavian gebe, ein «Bündel Babyspeck» ohne jede erotische Ausstrahlung. Eine Fehlbesetzung, befanden die Herren und wollten schon zur Tagesordnung übergehen, als ein Entrüstungssturm ausbrach, der quer durch Europa und bis nach Amerika fegte. Und das ist gut so.
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Wiebke Roloff & Albrecht Thiemann
Der Komponist Manfred Gurlitt (1890-1972) vertonte fast gleichzeitig mit Alban Berg den «Woyzeck» von Büchner, der damals noch Wozzeck hieß. Das gelang ihm vorzüglich, weil er sich eng an die Vorlage hielt. Später vertonte er auch die «Soldaten» von Lenz. Das misslang aus dem gleichen Grund: Er hielt sich zu eng an die Vorlage. «Die Soldaten» – das ist die...
Pietro Metastasios Libretto «La clemenza di Tito» zählt zu den am häufigsten vertonten Operntexten des 18. Jahrhunderts. Im Repertoire gehalten hat sich aber nur Mozarts Adaption, für die Caterino Mazzolà den Text Metastasios stark überarbeitete.
Als Christoph Willibald Gluck 1752 seine Fassung des Librettos für Neapel vertonte, erlaubte er sich zwar auch einige...
Drei Jahrzehnte waren ihr zunächst vergönnt. Beginnend mit der Uraufführung im April 1801 zur Eröffnung des Teatro Nuovo in Triest, dem heutigen Teatro Verdi, bis zu einer noch verbuchten Produktion in Palermo anno 1831. Dann sah es lange düster aus für «Ginevra di Scozia» von Simon Mayr. Für den dreistündigen Zweiakter bediente sich der bayrisch-italienische...
