Editorial
Die Dramaturgie des Skandals folgt einem (fast) immer gleichen Muster: Da ist zunächst ein casus belli, der Schockwellen öffentlicher Erregung freisetzt; diese münden in einer (meist) prominent besetzten ergebnisoffenen Debatte (gut, dass wir über alles geredet haben); den Abschluss bildet eine Phase der Erschöpfung. Das Interesse erlahmt. Denn auch ein Reizthema von gesamtgesellschaftlicher Relevanz kann rasch seinen Reiz verlieren.
Im Fall der Berliner «Idomeneo»-Affäre betrug die Halbwertzeit des Skandalons, sprich: die medial verstärkte Empörung darüber, dass die Inszenierung von Hans Neuenfels an der Deutschen Oper aus Sicherheitsgründen abgesetzt wurde, gerade mal eine Woche. Dann ging man wieder zur Tagesordnung über. Das Mozart-Jahr hatte seinen ultimativen Kick. Die weltweit und lautstark erhobenen Vorwürfe gegen die Intendantin Kirsten Harms, sie habe die Freiheit der Kunst verraten – sie sind schnell verrauscht. Das Kopfschütteln über den Berliner Innensenator Erhart Körting, der nach einem anonymen Anruf die Neuenfels’sche Deutung wegen eines blutigen Mohammed-Hauptes aus der Requisite zunächst als ernstes Sicherheitsrisiko einstufte, um die Leitung des Hauses in ...
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Totgesagte leben länger: Samuel Barbers oft geschmähte Oper «Vanessa» erscheint ein halbes Jahrhundert nach ihrer Entstehung nicht nur verstärkt auf Spielplänen, sie ist innerhalb weniger Jahre auch in drei verschiedenen CD-Produktionen herausgekommen. Zur klassischen Met-Aufnahme von Dimitri Mitropoulos gesellten sich letzthin Einspielungen aus der Ukraine (Gil...
Das Bild ist von provozierender Eindringlichkeit: Ganz am Ende von Mozarts «Idomeneo», während eine festliche Ballettmusik eigentlich das unglückliche Ende dieser Oper feiert und das Publikum normalerweise schon nach seinen Garderobenmarken kramt, lässt Hans Neuenfels in seiner Berliner Inszenierung den Titelhelden noch einmal auf die Bühne der Deutschen Oper...
Alberto Zedda, der immer noch ansteckend vitale Künstlerische Direktor des Rossini-Festivals, kann sich glücklich schätzen, in seiner Talentschmiede jedes Jahr begabten Belcanto-Nachwuchs hervorzubringen. Den Spitzenplatz ersang sich in diesem Jahr der blutjunge Tenor Francesco Meli. Seine Stimme steht der von Juan Diego Flórez an Koloraturengeläufigkeit in...
