Editorial
Oper im Fernsehen – das ist eine Herausforderung der besonderen Art. Aber auch ein Erlebnis der besonderen Art. Der Zuschauer im Parkett oder auf dem Rang sieht anders als Kameras, die zum Beispiel ein herangezoomtes Gesicht als schillernde Gefühlslandschaft zeigen können. Das Ohr im Saal hört anders als Mikrofone, mit denen sich das Wechselspiel von Stimmen und Instrumenten, Nähe und Ferne simultan aus verschiedenen Positionen verfolgen (und am Mischpult ausbalancieren) lässt.
Es ist diese akustisch-visuelle Präsenz der Künstler und des emotionalen Geschehens, die Oper im Fernsehen eigenen Reiz verleiht. Der Kunst angemessene Ergebnisse erzielt freilich nur eine TV-Regie, die sich für mehr interessiert als für schöne Bilder: für den Kern eines Stücks und einer Produktion.
Wenn eine Fernsehanstalt solche Qualitätsansprüche erfüllt, ist es der deutsch-französische Kultursender ARTE. Seit vielen Jahren hat ARTE immer wieder Maßstäbe bei der Vermittlung klassischer Musik im Fernsehen gesetzt. Kein öffentlich-rechtlicher TV-Kanal bietet mehr Mitschnitte und Live-Übertragungen aus den großen Opernhäusern der Welt. Deshalb freuen wir uns über eine neue Partnerschaft der besonderen ...
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Keine Spur von Realismus. St. Petersburg wird auf der Bühne nur symbolisch angedeutet. Und zwar in zweierlei Perspektive: grell und rau (mit schwarzen, röhrenartigen Säulen ohne Kapitelle) als vertikaler Dimension; dann durch Brücken, die über die ganze Bühne führen (über den grünen Boden, der sowohl die Neva als auch einen Spieltisch darstellt), als horizontaler...
Von den großen politischen Utopien, die das 20. Jahrhundert bewegten (und zerrissen), will heute niemand mehr etwas wissen. Seit der Systemkonflikt zwischen staatlich verordnetem Sozialismus und einem demokratisch moderierten Kapitalismus entschieden ist und man mit der Apokalypse eher die drohende Klimakatastrophe als ein atomares Armageddon assoziiert, hat auch...
Zur Ouvertüre färbt sich das Bühnenlicht ätherisch blau. Im leichten Dunst entschwebt eine Figur gen Himmel: Lucia. Dann die Überblendung: ein großer, kahler Raum, mit hohem Fenster, in Weiß-Grau gehalten, vor das sich immer wieder schwarze Wände schieben. In der Mitte ein riesiges Bett, in dem Lucia träumt. Von ihrer Kindheit und Jugend, als sie noch mit Puppen...
