Dramaturgische Feinmechanik

Einblicke in Eugène Scribes virtuose Libretto-Werkstatt

Opernwelt - Logo

Eugène Scribe war der erfolgreichste Librettist des 19. Jahrhunderts. In der Theatergeschichte ist sein Einfluss allein mit demjenigen Metastasios, des Präzeptors der Opera seria im 18. Jahrhundert, zu vergleichen. Nicht nur Meyerbeers große Opern, Donizettis «Dom Sébastien» oder Verdis «Les Vêpres siciliennes» entstammen seiner Werkstatt, sondern auch – als mehr oder weniger wörtliche Übersetzungen aus dem Französischen – Donizettis «L’elisir d’amore» und Verdis «Un ballo in maschera».

Sogar Richard Wagner folgte dem Pariser Modell, als er seinen fünfaktigen «Rienzi» verfasste.

Schon zu seinen Lebzeiten spottete man über die gleichsam industriellen Fertigungsmethoden von Scribe und seinen Mitarbeitern. Und doch erheischt die eminente theatralische Wirksamkeit und der präzise kalkulierte «suspense» in seinen fast 120 Opern Respekt. Auch deshalb ist es von großem Interesse, einen Blick in seine Werkstatt zu werfen: Zu den meisten seiner Stücke hat Scribe Entwürfe und verworfene Fassungen hinterlassen. Die Forschung hat diese Manuskripte bisher nur zu einem sehr kleinen Teil ausgewertet, abgeschreckt von der extrem schwer zu entziffernden Miniaturschrift Scribes. So können die Mühen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Anselm Gerhard

Weitere Beiträge
Requiem für Gilda

«Verdi ist der am schwierigsten zu inszenierende Opernkomponist» – so Sergio Morabito 2013 in einem Interview. Verdis erfundene Wirklichkeiten beharren unerbittlich auf Ort, Raum und Zeit. Flotte Aktualisierung der Emotionen, Charaktere, Situationen und Geschichten, mit denen sie spielen, verfehlt ihren Sinn. Jossi Wieler und Sergio Morabito sind darum in ihrer...

Ganz ohne Trost

«Liebe kann göttlich sein. Aber kein Gott kann den Menschen die Liebe bringen.» Der Agnostiker und Regisseur Hans Neuenfels spricht über sein Religionsdefizit im Magazin der Berliner der Staatsoper. Und seine Ariadne bleibt auf der Insel Naxos ungetröstet allein mit sich und der flitterhaften Zerbinetta-Truppe, ratlos und gottlos im Wahn, einsam bis zum in dieser...

Letzte Dinge

Schmal ist er geworden, mit zwei Krücken tastet er sich auf die Bühne. Bei der Grazer STYRIARTE etwas absagen, das kam für Nikolaus Harnoncourt bislang nicht infrage. Dieses Jahr ist es zum Start passiert. Doch bei Beethovens «Missa solemnis» hat der 85-Jährige noch viel mitzuteilen und wagt dies erstmals mit dem Concentus Musicus. Die Aufführung erschüttert, weil...