Letzte Dinge
Schmal ist er geworden, mit zwei Krücken tastet er sich auf die Bühne. Bei der Grazer STYRIARTE etwas absagen, das kam für Nikolaus Harnoncourt bislang nicht infrage. Dieses Jahr ist es zum Start passiert. Doch bei Beethovens «Missa solemnis» hat der 85-Jährige noch viel mitzuteilen und wagt dies erstmals mit dem Concentus Musicus. Die Aufführung erschüttert, weil Harnoncourt in Bereiche vordringt, vor denen Worte versagen müssen. Das Festivalmotto «…und lachte!» meint dagegen in erster Linie Rossinis «Barbier von Sevilla».
Gespielt wird die alte Übersetzung des Grazers Ignaz Kollmann. Michael Hofstetter bürstet mit dem Festspiel-Orchester alles auf historisch informiert, und Regisseur Peer Boysen macht mit bizarrer Komik deutlich, welch grausame Intrige da passiert. Aus dem Ensemble ragt Daniel Johannsen als Almaviva heraus. Kurz danach zog Harnoncourt mit der «Missa» weiter nach Salzburg: Die letzten Dinge, sie lassen den Doyen nicht los.
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Markus Thiel
Die Musik ist ein gemischter Salat, angerichtet von vielen Könnern», besagte ein Bonmot neapolitanischer Impresari über die Gattung des Pasticcio. Das beherzigte mitunter auch der geschäftserfahrene Georg Friedrich Händel: Für seine Saison-Menus am King’s Theatre in London rührte er je nach Bedarf und Auslastungszahlen Pasticci aus der neapolitanischen Küche...
Kurz vor elf ist der Kleine Dorfsaal in der Volksschule voll besetzt. Noch macht er sich rar, der berühmte Pensionär, auf den alle warten. Aber dann strebt er plötzlich zum Podium, durch silbergraue Reihen. Das Durchschnittsalter des Publikums: siebzig plus. Über «Die Kunst des Klavierspiels» soll Alfred Brendel sprechen. Ein uferloses Thema. Aber natürlich geht es...
Um den Liedgesang braucht einem nicht bange zu sein, wenn, gleichsam aus dem diskografischen Nichts, zwei junge Sänger, der Schweizer Tenor Mauro Peter und der ladinische Bariton Andrè Schuen, nicht nur ein Versprechen auf die Zukunft abgeben, sondern es mit ihren Debüt-CDs gleich erfüllen. Dabei haben sie es sich mit der Wahl ihrer Programme nicht leicht gemacht...
