Donizetti: Viva la mamma!
Detlef Altenbeck, der streitbare Oberspielleiter am Landestheater, hat diesmal alles richtig gemacht. Seine Textfassung der fast einhundertachtzig Jahre alten Opera buffa und seine ins Coburger Hier und Heute versetzte Inszenierung haben so viel Drive, Witz und Hintersinn, dass es leicht fällt, dieser Produktion Kultstatus zu prophezeien.
Das Programmheft behauptet zwar tapfer, dass die hier gezeigte Tourneetheater-Vision anno 2020 angesiedelt ist, aber natürlich wird ziemlich zeitnah ein Schreckensbild davon gezeichnet, was passieren kann, wenn die kulturelle Fahne in der Provinz nur noch von dilettantischen Gastspieltruppen hoch gehalten wird.
Unter uns gesagt: Das Stück ist eine ziemliche Klamotte, aber besser als im Oberfränkischen kann man es derzeit kaum realisieren. Höchstens anders. Alles wirkt wie aus einem Guss. Die Haupthandlung verlegt Manfred Dittrich in den per Riesenfoto auf die Bühne «gespiegelten» Coburger Zuschauerraum, der antiquierten Oper in der Oper verpasst er Kulissenmalerei im Stil der vor Ort allbekannten Gebrüder Brückner. Regina Schill typisiert die Akteure detailverliebt zwischen unerträglichem Kostümschwulst und ebensolcher Alltagskleidung: ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die einleuchtende Grundidee in Dresden bestand in einem zweiteiligen Unternehmen, das praktische Anschauung mit theoretischer Erörterung vereinte und aufeinander bezog: einerseits allabendlich vorgeführte Operetten auf der Bühne, andererseits beredete Operetten auf einer Tagung, die erkunden sollte, was aus dieser Gattung unter der NS-Herrschaft wurde. Ergiebiger...
Wer hätte je gedacht, dass man noch eine neue Vivaldi-Oper finden würde? 1999 wurde in Kiew die Bibliothek der Berliner Musik-Akademie entdeckt. Die Russen hatten diesen musikalischen Schatz von mehr als fünftausend Gegenständen nach dem Zweiten Weltkrieg mitgenommen. Der junge Musikwissenschaftler Steffen Voss spürte in dieser Sammlung die Oper «Motezuma, dramma...
Bellinis «Norma» steht und fällt mit den beiden Frauenstimmen. Ob die beiden jungen russischen Sängerinnen Mlada Khudoley (Norma) und Ekaterina Gubanova (Adalgisa) sich in Partien, die geradezu als Inbegriff des Bellini’schen Belcanto gelten, die hochgesteckten Erwartungen erfüllen konnten? Und wie sie es taten! Insbesondere Khudoley überrascht mit ihrem breiten...
