Don Bizarro
So viel Geheimniskrämerei war selten bei den Tiroler Festspielen. Fotos wurden erst kurz vor der Premiere freigegeben – selbst Bayreuth ist da schneller. Doch in Erl, wo bislang das gediegene Arrangement vorherrschte, rüstete man sich zum Regietheater. Und das mit einem Neuling: Alexander Polzin, für seine Skulpturen weltweit gelobt und auch schon als Bühnenausstatter aktiv («Parsifal» bei den Salzburger Osterfestspielen, «Lohengrin» in Madrid, «Rigoletto» in Düsseldorf), debütierte als Opernregisseur.
Dies mit Beethovens «Fidelio», einem jener Stücke, die Regisseurenhirne besonders gern und stark zum Glühen und Krampfen bringen.
Nicht überraschend: Eine Riesenskulptur beherrscht die Erler Festspielhausbühne. Ein rätselhafter Schädel mit drei Öffnungen (offenbar zwei Augen plus Nase), die Mundpartie ist zugewachsen. Dreh- und schiebbar ist das Ganze, hinten hat es die Kopfschale gesprengt, statt Klein- und Großhirn gibt es dort Florestan, der seine Arie singen darf. Unter viel Dramaturgendampf startet der Abend. Polzin und seine Co-Regisseurin, die Tanzperformerin Sommer Ulrickson, sprechen Zeilen aus Heiner Müllers «Herzstück». Vom Herz als Ziegelstein ist die Rede, was Anlass ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Markus Thiel
Ran an die Raritäten
Erfurt macht «Sigurd» von Ernest Reyer, Osnabrück Manfred Gurlitts «Soldaten» und Oldenburg Mieczyslaw Weinbergs «Der Idiot». In Frankfurt gibt’s Antonio Cestis «L’Orontea», in Paris André Campras «Les Fêtes venitiennes» – der nächste Monat bringt Randständiges im Überfluss.
Wahn, Wahn, Wahn
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