Diese Musik schwitzt nicht

Saarbrücken: Gouvy: Der Cid

Opernwelt - Logo

Ihre besten Momente hat Théodore Gouvys 1862-1864 komponierte, aber erst jetzt am Staatstheater Saarbrücken uraufgeführte Corneille-Oper «Der Cid» in den instrumentalen und den Chor-Passagen. Diese Musik schwitzt (trotz ihres martialischen Themas) nicht, möchte man mit Nietzsche sagen. Sie ist luftig instrumentiert wie Mendelssohns «Sommernachtstraum». Sie liebt das Farbenspiel wendig-eleganter Registerwechsel, setzt die Streicher leicht und seidig ein, gibt den Holzbläsern charmant-innige Phrasen und geht diskret mit dem Blech um, das eher Farbtupfer als Kriegslärm beiträgt.



Damit steht sie oft im Gegensatz zu den polternden Schüttelreimen in Moritz von Hartmanns Libretto. Der Text entfaltet einen schizophrenen Widerspruch zwischen Liebe und Ehre – Ximene fordert um der Ehre willen den Tod ihres Geliebten Rodrigo, der ihren Vater um der Ehre willen tötete – vor dem Hintergrund der katholischen Reconquista, der Vertreibung der Mauren aus Spanien. Wenn Chöre auf Texte wie «Auf zum Kampf / Mit diesen Sklaven! / Zu den Waffen / Ihre Rotten hinzuraffen / Für die Kinder, die sie rauben, / für den Glauben, dass sie spotten» federnd-heiter und eingängig wie Offenbach klingen, ist man sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Boris Kehrmann

Weitere Beiträge
Mensch, Tier, Zeichen, Ding

Wenn einer in biblischem Alter noch staunen kann wie ein Kind und wenn er, mehr noch, andere mit der elementaren Kraft dieses Staunens anzustecken, mitzureißen, zu verzaubern versteht, dann ist man versucht, von einer genialen Gabe zu sprechen. Achim Freyer, der große Maler und Spieler, Sinnsucher und Rätselmann, ein Magier des Theaters, der mit fast jeder seiner...

Metamorphosen des Unverwechselbaren

Am liebsten schreibt sie für Freunde. Für Menschen, die sie gut kennt. Judith Weir hält wenig von Theorien, Programmen oder Schulen. Wichtiger ist ihr der Dialog mit den Interpreten, die ihre Musik aufführen. Egal ob es sich um Profis oder Laien handelt. Hat nicht jede Sängerin, jeder Instrumentalist, jedes Orchester, jeder Chor eine Persönlichkeit, eine spezielle...

Alte Schule

«Mein Herz ist launenhaft geworden, doch jetzt fühle ich mich sehr gut.» Da lag der Vorfall bereits einige Wochen zurück: Im Februar dieses Jahres war Riccardo Muti bei einer Probe mit seinem Chicago Symphony Orchestra zusammengebrochen. Die Diagnose: Herzrhythmusstörungen, Kieferbruch. Die Musikwelt reagierte auch deshalb geschockt, weil sie den Neapolitaner ganz...