Metamorphosen des Unverwechselbaren
Am liebsten schreibt sie für Freunde. Für Menschen, die sie gut kennt. Judith Weir hält wenig von Theorien, Programmen oder Schulen. Wichtiger ist ihr der Dialog mit den Interpreten, die ihre Musik aufführen. Egal ob es sich um Profis oder Laien handelt.
Hat nicht jede Sängerin, jeder Instrumentalist, jedes Orchester, jeder Chor eine Persönlichkeit, eine spezielle Aura, die man nicht einfach austauschen kann? Die Vielfalt, den Reichtum individueller Stimmen und Charaktere fand die in London aufgewachsene und heute wieder dort lebende Komponistin mit schottischen Wurzeln seit jeher faszinierend. Und es ist dieser inspirierte Sinn für das Einzigartige im Konzert erlebter Klänge, der ihren Werken ein Aroma des Unvergleichlichen, durch alle Raster Fallenden verleiht. Kein Stück gleicht dem anderen, keines kreist variierend um eine bereits eingeführte Idee oder ein schon erkundetes Motiv. Immer weht ein frischer Wind, gleichsam vom Nullpunkt der Imagination – einer Fantasie, die ohne große Gesten auskommt, vielmehr das poetisch verdichtete Understatement, die flüchtige Miniatur, die feine Ironie sucht.
Das zeichnet sich schon in «King Harald’s Saga» ab, einer Mini-Oper auf eine ...
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Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Albrecht Thiemann
Ob es Alan Curtis noch zu einer Gesamtaufnahme aller Händel-Opern bringen wird? Dank der finanziellen Unterstützung der Händelianerin Donna Leon ist die Aufnahmeliste des 76-Jährigen schon auf über zehn Werke gewachsen, und nachdem frühere Curtis-Einspielungen eher den Werken aus der zweiten Reihe («Lotario», «Arminio») galten, wagt er sich seit einiger Zeit an...
Wenigstens Serge Dorny war irgendwann beruhigt. Schließlich konnte der Intendant der Oper Lyon das unter «Erledigtes» abheften, was andere so heiß ersehnen: einen Vertrag mit der Unterschrift von Kirill Petrenko. Den beiden Bayreuther Schwestern fehlt nämlich weiterhin das Jawort des Dirigenten (was den «Ring» anno 2013 zur brandgefährlichen Hängepartie macht). Und...
Die Wolken hängen tief im Mai. So tief, dass sie die Gipfel der steil aufsteigenden Hänge streifen. Die Bäume sind schwer vom feinen Regen, der in Bergen an bis zu 250 Tagen des Jahres niedergeht. Unten am Fjord dampft die Stadt, als wolle sie wenigstens einen Teil der Nässe ausschwitzen. Die Feuchtigkeit sitzt überall – in den engen Höfen der historischen...
