Die wahre Freud ist das Leid
Küss’ die Hoand, Frau Kammersängerin…
Ist mir eine Ehre. Obwohl es mich etwas überrascht hat, dass mir diese Ehre ausgerechnet jetzt vom österreichischen Staat verliehen worden ist. Schließlich habe ich in den letzten Jahren nicht mehr so viel in Wien gesungen. Ich bin dort auch nie Ensemblemitglied gewesen.
Dennoch ist Ihr Name mit vielen Aufsehen erregenden Produktionen der Staatsoper verbunden: mit dem «Lohengrin» in der Regie von Barrie Kosky zum Beispiel oder mit Halévys «La Juive», die Sie gerade erst wieder in Wien gesungen haben.
Ja, und insofern hat die Ehre auch ihre Berechtigung: Lange Zeit über war Wien de facto mein Stammhaus, ich habe dort bislang mehr als 160 Abende auf der Bühne gestanden. Ich verdanke dem Haus sehr viel. Zu Beginn meiner Karriere wurde ich überall als Mozart-Sängerin verpflichtet, doch Ioan Holender hat mich aus dieser Ecke herausgeholt und mir das große italienische und deutsche Repertoire anvertraut: «Bohème», «Turandot», «Otello» oder auch die Agathe im «Freischütz».
Und Wagners Elsa, die ja heute meist dramatischer besetzt wird.
Wer sagt denn eigentlich, dass Wagner immer mit Vollgas gesungen werden muss? Sängerinnen wie Lisa della Casa haben ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Vielleicht ist die freche Münchner Neuinszenierung von Pfitzners «Palestrina» tatsächlich das Beste, was man dem Stück heute angedeihen lassen kann: die pop-ästhetische Aushebelung frommer Demutshaltung und historischer Einfühlung mit Hilfe von Geometrie und Ironie. Das Ganze lebt von konstruktivistischen Bühnenschnitten und absurdem Popanz in knalligem Pink und...
Neues Musiktheater ist selten lustig. Im Raumklang findet Lachen keinen Platz. Deswegen gebührt der japanischen Komponistin Misato Mochizuki allein schon dafür Dank, dass sie ihrer ersten Beschäftigung mit dem Musiktheater ein heiter-witziges, zugleich mit etwas tieferer Bedeutung ausgestattetes Libretto zugrunde legt. Der Titel ihrer Kammeroper klingt...
Der Starkult, den die Klassikindustrie seit Jahren immer unbedenklicher pflegt, kreist vor allem um Glanz und Glamour. Für Sängerinnen bedeutet dies: Nur wer sich im Model-Look vermarkten lässt, nur wer im Fernsehen oder in der Werbung auftaucht, spielt ganz oben mit. Doch wo viel Licht (und noch mehr Geld) ist, gibt es bekanntlich auch viel Schatten. Die zur...
