Die Unbefangene

Plaudern über Karriere und Kollegen: Renata Scotto erzählt, wie es war, mit 18 die «Traviata» zu singen, warum sie mit Karajan nicht konnte und mit Levine umso besser, was die Callas goldrichtig gemacht hat und was Anna Netrebko lieber lassen sollte. Am 24. Februar wird die Sopranistin 80 Jahre alt.

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Frau Scotto, auf der Bühne haben Sie es immer verstanden, mit ­Ihrem Publikum zu spielen, es in den Bann zu ziehen, ja geradezu zu dominieren. War das Absicht?
Ja, ich muss zugeben, das ist genau das, was ich wollte. Um einen Charakter glaubhaft zu machen, muss man das Publikum packen. Man muss verführen! Ich konnte das immer schon. Ich war darin ein Naturtalent.

Nach einer auf Wikipedia überlieferten Anekdote sangen Sie an der ­Mailänder Scala 1954 dem Dirigenten Victor de Sabata für «La Wally» vor.

Worauf dieser sagte: «Forget about the rest». Wie hat er das gemeint?
Wirklich?! (Lacht.) Diese Geschichte kannte ich noch gar nicht. Nun, er wird wohl gemeint haben: «Schickt die anderen nach Hause.» Ein schönes Kompliment, nur muss ich Ihnen sagen: Ich habe de Sabata damals gar nicht getroffen. Er war auch für «La Wally» gar nicht als Dirigent vorgesehen. Carlo Maria Giulini dirigierte. Ich war damals 19 Jahre alt und weiß nur noch, dass ich darauf ­bestand, genau den Part vorzusingen, für den man mich engagieren wollte. Bloß nicht singen, was ich sowieso schon kann, dachte ich damals. Was lernen sie sonst von mir kennen? Besser was Neues!

Sie waren zweifellos eine der leading ladies ...

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Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Interview, Seite 32
von Kai Luehrs-Kaiser

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