Unwiderstehlich
Auf der Suche nach einem Ehemann gönnen sich die Mädchen von heute vorher einen Probelauf», bemerkt Delfa. «Bezaubernd ökonomisch ist das, und ausgebufft...» Dass die Delfa in der «Giasone»-Produktion der australischen Pinchgut Opera eine nicht mehr ganz taufrische Drag Queen ist, sorgte bei einigen Zuschauern für Unmut.
Das war auch schon bei den selbsternannten «Arkadiern» im Rom des 18. Jahrhunderts so. Als Francesco Cavalli die Oper 1648 schrieb, hatte er ein populäres Werk im Sinn, mit dem er beim gemeinen Volk ebenso landen wollte wie bei Kunstkennern.
Genau das gelang ihm auch: «Giasone» avancierte zur meistgespielten Oper des 17. Jahrhunderts – um freilich danach zur Zielscheibe (neo)konservativer Backlashs zu werden. Es handelt sich um einen aktionsgeladenen, schlüpfrigen Schmachtfetzen, zotig und derb und selbst in den tragischen Szenen stets haarscharf an der Grenze zur Posse angesiedelt. Fast könnte man meinen, Giacinto Andrea Cicognini hätte sein Libretto erst gestern verfasst, so skurril und rasant kommen die Dialoge daher. Auch Cavallis bitter-süße Musik mutet unwiderstehlich heutig an, insbesondere in der packenden Darbietung des Pinchgut-Orchesters.
Die kleine ...
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Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Shirley Apthorp
Seit Richard Wagner in einem aus dem Geist der Polemik geschriebenen Aufsatz zwischen dem Virtuosen und dem Künstler unterschied, wird gesangliche Kunstfertigkeit mit «leerer» Kehlakrobatik gleichgesetzt. Lange Zeit konnte man eine Sängerin nicht vernichtender tadeln als dadurch, dass man sie als Virtuosa lobte. Zu den Sängerinnen, die in den Sechzigerjahren eine...
Es ist ruhig geworden um die Kölner Oper. Nach den Eruptionen, mit denen die kurze Intendanz von Uwe-Eric Laufenberg zu Ende gegangen ist, mag man das als Wohltat empfinden. Doch die Ruhe ist teuer erkauft: Der Spielplan wird drastisch ausgedünnt, die Mittel schrumpfen, und hinter den Kulissen köcheln noch immer die gleichen Querelen.
Produktionen von hohem Rang...
Wer allein die Musik dieses wahnwitzigen Stücks hört, diese priapistische Dauerspannung, diesen «Strawinsky auf Koks», blech- und perkussionsgesättigt, von elektrisierender, großstädtischer, aber auch leerlaufender Betriebsamkeit – wer also nur die tönende Energetik von Prokofjews «Spieler» wahrnimmt, erfährt schon viel von der Gesellschaft im Petrograd des Jahres...
