Die Steppe lebt
Der Cowboy, der uns in der Steppe rund hundert Kilometer vor der Hauptstadt entgegenkommt, spricht russisch. Er könnte aus einem Bilderbuch stammen oder aus einem anderen Jahrhundert. Das naturgegerbte Gesicht, schwarze Lederjacke, die mit dem Pferderücken verwachsene schlanke Gestalt. So stellt man sich jemand vor, der mit Lasso, Hund und Reitkünsten in Zentralasien eine größere Rinderherde in Schach hält. Wären da nicht die Adidas-Streifen an seiner Trainingshose. Aus seinem Kopfhörer rockt Prince, und ein Handy hat er auch. Kasachstan: ein Land im Umbruch.
Während draußen die alten Kolchosen buchstäblich zerfallen, die Gänse Wasser aus Pfützen schlürfen und die Schlaglöcher so tief sind, dass die Autos gewissenhaft Slalom fahren, wächst Astana als Megalopolis des 21. Jahrhunderts. An den Ufern des Jesil drängen sich dort Glaspaläste und schicke Wohntürme; Norman Foster, der Star-Architekt, hat ein zeltförmiges Einkaufsparadies gebaut, in dessen oberster Etage man sich auch im Winter in einem «Sky Beach Club» räkeln kann, nebenan soll ein Dinopark die Kids bespaßen. Es gibt Halloween-Partys und eine Straße mit Themen-Restaurants. Die Lobby im Fünf-Sterne-Hotel des ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Stephan Mösch
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Oscar Wildes Sottise, nur Leute, die ihre Rechnungen auch bezahlten, brauchten Geld, sieht sich nicht erst seit der Banken- und Eurokrise ad absurdum geführt. Denn die Regierungen in aller Welt fordern seit Langem stets mehr und mehr Geld, ohne ihre Rechnungen je wirklich bezahlen zu können. Wobei sie bei der Beschaffung der Mittel durchaus Loges Rat an Wotan,...
Zweitausenddreizehn ist Verdi-Jahr. Oder eher Wagner-Jahr mit einem kleinen Verdi-Anhang? Jedenfalls fand in Italien der «bicentenario verdiano» kaum statt. Was allerdings weniger an Wagner liegt als an der aktuellen Krise Italiens. Zwar hat das römische Parlament über sechs Millionen Euro zur Feier von Verdis 200. Geburtstag zur Verfügung gestellt. Aber diese...
