Glücksverzicht, Kunstgewinn

Wagner: Tristan und Isolde Lübeck / Großes Haus

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Zunächst sieht es so aus, als sei Anthony Pilavachis neueste Wagner-Inszenierung ganz und gar aus dem Dekorativen erwachsen; Tatjana Ivschinas Bühnenbild, ein feudaler großbürgerlicher Spätbiedermeier-Salon, fügt sich geradezu ideal in den Jugendstil-Rahmen des Lübecker Bühnenportals. Ein optischer Genuss. Dann aber bemerkt man, dass der Regisseur, ohne die Historie direkt nachzubilden, einzelne Parallelen sucht zwischen dem Werk und seiner Entstehung.

Stammt der ­Salon womöglich aus der Villa Wesendonck? Und Tristan und Isolde – tragen sie nicht Züge des Komponisten und seiner verehrten Mathilde? Ganz abgesehen von dem Konflikt, in den die beiden damals Mathildes Gatten stürzten: Er ähnelt dem des König Marke in seiner menschlichen Tragik.

Als Subtext sind diese Anspielungen in den Bildern der Inszenierung immer gegenwärtig, ohne dass sie aufdringlich in den Vordergrund ­gerückt werden. Zur Schlüsselszene wird das große Liebesduett im zweiten Akt: Während des Gesangs notiert Tristan/Wagner den Fortgang des musikalischen Geschehens auf einem Notenblatt, während ihm Isolde/Mathilde bisweilen «den Text» diktiert.

Im dritten Akt gelingt dem Regisseur eine plausible, poesievolle ...

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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Gerhart Asche

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