Die Kunst und das Böse
Ein Schuss in völliger Dunkelheit. Ein Aufschrei. Knall auf Fall sieht sich das Publikum in die Gegenwart verabschiedet, die sich prinzipiell nicht unterscheidet von dem Geschehen auf der Bühne. Auf der Place de Neuve wirkt zwar alles friedlich. Aber etwas weiter weg könnte man sich ein Theater, wie Heike Scheele es auf die Bühne des Grand Théâtre gebaut hat, durchaus vorstellen. Einen Ort, an dem Künstler Zuflucht gefunden haben vor einer marodierenden Soldateska. Gespielt wird hier schon lange nicht mehr. An den Logenbalustraden nagt der Zahn der Zeit. Der Putz bröckelt.
Ein paar übrig gebliebene Kostümkisten lassen darauf schließen, dass hier einst «Die Entführung aus dem Serail» gegeben wurde.
Mozarts Singspiel war, als Rameau «Les Indes galantes» schrieb, zwar noch gar nicht komponiert, aber das Genfer Opernhaus ist an diesem Abend ohnehin eher ein Zufluchtsort der Fantasie, während draußen Kriegslärm das Gebäude umtost. Immer wieder fallen Schüsse, und wie von nackter Angst getrieben, stürzen sich die auf der Bühne Verbliebenen in einen Sinnestaumel, um die schmerzende Wirklichkeit für einige Zeit zu betäuben. Rasch werden auf Hébés Geheiß Lazarettbetten zu einer Lagerstatt ...
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Hartmut Regitz
Christina Pluhar hat 2005 mit der Sopranistin Véronique Gens eine CD mit vokaler Kammermusik von Luigi Rossi (1597-1653) aufgenommen. Ein Rechtsstreit verhinderte damals das Erscheinen, nach dessen Beilegung die von Rossi begeisterte Pluhar sie jetzt um zwei weitere CDs mit Kantaten des diskografisch bislang nur unzureichend gewürdigten römischen Komponisten...
Mit den Clowns kommen die Keulen, drei an der Zahl. Fliegen in die Lüfte, stürzen hinab, springen aber wie von Geisterhand gehoben sogleich wieder in die Luft, unzählige Male, wie ein Perpetuum mobile, das sich dem wiegenden 6/8-Takt der Barcarolle anschmiegt, die so butterweich und süßlich kaum je zuvor durch den Graben gondelte, zwischen h-Moll und D-Dur hin und...
Früher nannte man ein Theaterstück, das zur Weihnachtszeit für die «ganze Familie» in Szene gesetzt wurde, ein Weihnachtsmärchen. Diese Aufgabe erfüllt die am Aachener Theater uraufgeführte Oper «Der Zauberer von Oz» des Komponisten Anno Schreier spielend, und doch ist sie sehr viel mehr: ein kleines Stück Welttheater – für Kinder eine eingängige Zaubergeschichte,...
