Alles nur Illusion
Mit den Clowns kommen die Keulen, drei an der Zahl. Fliegen in die Lüfte, stürzen hinab, springen aber wie von Geisterhand gehoben sogleich wieder in die Luft, unzählige Male, wie ein Perpetuum mobile, das sich dem wiegenden 6/8-Takt der Barcarolle anschmiegt, die so butterweich und süßlich kaum je zuvor durch den Graben gondelte, zwischen h-Moll und D-Dur hin und herschaukelnd. Könnte ein schönes Bild sein mit all diesen Menschen, die sich zu Beginn des vierten Akts in Offenbachs letzter Oper versammelt haben, um die Nacht der Liebe zu begehen.
Diseusen, Balletteusen, Flaneure, lauter schwärmerische Naturen. Und ja, da vorn, am Mikrofon, turteln die zwei Glamourgirls in glitzernden Morgenmänteln, Giulietta und Nicklausse, kräftig miteinander, berühren sich sanft mal da, mal dort, streicheln über Wangen und Hüften und Schultern. Aber etwas stimmt nicht in diesem Bild. Denn da ist ein zweiter Clown, grell geschminkt, diabolisch verdunkelt seine Miene, er gleicht auf verdächtige Art und Weise Arthur Fleck, dem traurig-tragischen Protagonisten aus Todd Philipps’ düster-dystopischem Thriller «Joker». Dapertutto, der diabolische Magier. Méphistophélès, Menetekel der Negation.
Ist zum ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten
Hanns Eisler, bekannt für seine scharfe Zunge (deretwegen ihn sein geistiger Ziehvater Arnold Schönberg gerne «übers Knie gelegt» hätte), machte in seiner Kritik am reaktionären gesellschaftlichen Verhalten in der Musik auch vor den großen Meistern nicht halt.
Im Gespräch mit Hans Bunge bemerkte er, «dass selbst bei (…) Mozart noch das Klirren der Teetassen und...
Die erste Szene erinnert an Johann Heinrich Füsslis Gemälde «Der Nachtmahr», ein Sinnbild schwarzer Romantik. Allerdings hockt kein Dämon auf der Brust der Schlafenden, stattdessen wacht ein Mann neben dem Bett. Es ist der Bruder, der Lucia in Marcos Darbyshires Inszenierung beaufsichtigt. In den Händen hält er ein weißes Kissen, und er hält es so, als könnte er...
alpha
02.02. – 21.45 Uhr
Berlioz: Symphonie fantastique
Symphonieorchester des BR, ML: Davis
arte
02.02. – 17.30 Uhr
Beethoven bei der Folle Jounée in Nantes
Am Pult des Orchestre Philharmonique de Radio France: die chinesische Dirigentin Xian Zhang.
02.02. – 23.05 Uhr
Beethovens Neunte
«Wenn jemand von einem anderen Planeten kommt und fragt: ‹Was macht die...
