Die Kunst des Tauens
Auf dieser Bühne sang 1957 Birgit Nilsson ihre erste Turandot: Ganz schön mutig von Nina Stemme, ihr Debüt als Eisprinzessin ausgerechnet hier zu geben. «Ich habe mir gesagt: Wenn ich scheitere, dann lieber zu Hause», lacht sie. Doch Nina Stemme scheitert nicht.
In einem surreal-schrägen Zimmer starrt ein Dandy mit schnittigem Schnauzbart gedankenverloren auf die Tasten eines Klaviers: der Meister selbst.
Puccini blättert in einer Notenmappe und zieht dann eine Spieluhr auf: pling! Das chinesische Hauptthema erklingt, die Oper ist erfunden, und Thomas Søndergård kann den Einsatz für die Ouvertüre geben. Aus Puccini wird Calaf, doch die doppelte Ebene bleibt: Samtrote Sitzreihen schieben sich auf die Bühne, in Abendkleidung spiegelt der Chor das Publikum. Das Märchen um die Eisprinzessin entspinnt sich dazwischen, auf einem schmalen Steg unter dem Portal. Dann und wann tollen Clowns und Akrobaten vorüber: Die stampfenden Rhythmen, die schrillen, lauten Töne, die in dieser Oper eine so große Rolle spielen (und die Thomas Søndergård mit der Hofkapelle mehr zu genießen scheint als die sanften, leisen) und das farcenhafte Trio Ping-Pang-Pong haben Marco Arturo Marelli wohl dazu ...
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Opernwelt April 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Wiebke Roloff
Es hat seinen besonderen Reiz, Donizettis «Favorite» im Jahr des Wagner-Jubiläums zur Aufführung zu bringen: Die Erstellung des Klavierauszugs war die erste große Auftragsarbeit, die Wagner 1840/41 aus Geldnot für den Pariser Verleger Maurice Schlesinger erledigte (wofür er mit 1100 Francs gar nicht schlecht entlohnt wurde: Ein einfaches Hotelzimmer kostete damals...
Mit der Darmstädter Avantgarde assoziiert man alles Mögliche, von Serialismus bis Elfenbeinturm, aber nicht unbedingt Musiktheater. Das Luzerner Theater hat jetzt etwas Archäologie der späten Moderne betrieben und dabei mit Bruno Madernas Einakter «Satyricon» eine kleine Kostbarkeit ausgegraben. Das 1971 entstandene und 1973, im Todesjahr des Komponisten,...
Die Geschichte der Lucrezia Borgia – emblematische Figur der Spätrenaissance, Papsttochter und (angebliche) Giftmischerin – ist eines der ungewöhnlichsten Opernsujets des 19. Jahrhunderts. Gaetano Donizetti hatte es 1833 einem brandneuen Schauerstück von Victor Hugo entnommen: ein Panorama aristokratischer Verderbtheit als Polemik gegen die Restauration nach dem...
