Die andere Ariane
Jules Massenet schrieb mehr als zwei Dutzend Opern. Viel mehr als zwei von ihnen fanden in unseren Spielplänen kaum Platz: «Werther» und «Manon». Wer das Massenet-Repertoire umfassender kennenlernen möchte, kommt nicht umhin, nach Frankreich zu reisen, nach der einstigen Massenet-Uraufführungshochburg Monte Carlo oder nach Saint-Étienne, der Geburtsstadt des Komponisten. Dort findet als Biennale seit fast zwei Jahrzehnten das Massenet-Festival statt, in diesem Spätherbst zum neunten Mal.
Auf diese Weise hat der fleißige Saint-Étienne-Besucher inzwischen fast zwei Drittel des Massenet-Opernschaffens kennengelernt, ohne dass sich an der Bewertung des Massenet’schen Opernschaffens etwas Grundlegendes geändert hätte: «Werther» und «Manon» markieren unverändert die Spitze.
Umso gespannter war man auf die Begegnung mit Massenets 1906 in der Académie Nationale de Musique Paris uraufgeführter Opéra en cinq actes «Ariane», mit der das neunte Massenet-Festival repräsentativ eröffnet wurde. In deutschen Opernführern, sogar in Pipers Musiktheaterlexikon, fehlt das Werk. Dabei könnte es eigentlich einen historisch-dramaturgisch ambitionierten Intendanten reizen, Massenets «Ariane» in ...
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