Dido, Calisto und andere Lautfiguren
Ein dumpfes Grollen verdrängt die Stille. Leise donnernd, von weither, diffus. Dann zucken akustische Blitze, setzen den grauen Schallraum für Sekundenbruchteile in grelles Licht – scharf angerissene Tonkürzel der Streicher- und Bläser; ein Akkordeon wirft sich dazwischen, das Schlagwerk knallt. Didos Drama nimmt seinen Lauf. Sie singt, stammelt, tobt, deklamiert – und spricht nur für sich. Wie Aeneas, der ihr bald den Rücken kehren wird.
Die Sopranistin Claudia Neubert und der Bariton Daniel Ochoa sind gefangen in Monologen, die sich verhaken, überlagern, mischen und doch nie treffen. Sie führen ein arioses (Schein-)Gespräch, das bereits abgebrochen ist, bevor es ausbricht. «Didone abbandonata»: Auf 13 Minuten, drei Episoden und zwei Solisten hat Michael Hirsch das erste Libretto Metastasios aus dem Jahr 1724 heruntergebrochen. Einen Stoff nach dem Geschmack des Seria-Zeitalters – unter anderen haben ihn Hasse, Cavalli, Galuppi und Jommelli vertont. Von der Handlung und von den Figuren sind in Hirschs 2003 entstandener Mini-Oper allein die emotionalen Fieberkurven des zentralen Paares geblieben. Anläufe, Abstürze, Ausschläge – bis zur fassungslosen, von der Bassklarinette ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Albrecht Thiemann
Vor einigen Jahren brachte Bryn Terfel ein Album heraus, in dem er seine Interpretation einiger «Bad Boys» der Oper vorstellte. Von Opernschurken par excellence wie Scarpia, Mephisto und Jago sind die «Bad Guys», die der spanische Countertenor Xavier Sabata für ein gleichnamiges erstes Soloalbum aus Opern Händels zusammengestellt hat, denkbar weit entfernt....
Er liebte Comics, Zirkus, Zauberei – die vergnüglichen Seiten des Theaters. Jérôme Savarys erste Theatergruppe hieß Grand Magic Circus. Er brachte nicht nur Offenbachs Operetten, sondern auch Helden aus Bildergeschichten wie «Asterix» auf die Bühne. Von 1982 bis 1986 leitete der gebürtige Argentinier das Centre Dramatique du Languedoc-Roussillon, dann bis 1988 das...
Paul Hindemith ist ein seltener Gast auf der Opernbühne. Vor Kurzem hat Bonn das frühe Einakter-Triptychon gespielt (OW 11/2012), jetzt wagt Münster sich an die Zeitsatire «Neues vom Tage», die 1929 an der Berliner Krolloper uraufgeführt wurde. Hindemith hat sich für dieses musikalische Spektakel mit dem Kabarettpoeten Marcellus Schiffer zusammengetan, der ihm ein...
