Der Weltgeist spricht deutsch
Er ist aus der Mode gekommen, in den Hintergrund getreten. Graue Eminenz der kritischen Theorie, Großmeister geschraubter Dialektik, Scharfrichter über Wahrheit und Fortschritt, zumal in der Musik. Adorno war gestern. Übertönt vom Lockruf der Postmoderne: anything goes. Verdrängt von einem hedonistisch-liberalen Zeitgeist, dem das Asketisch-Rigorose, die kategorische, humorfreie Durchblickerhaltung dieses deutschen Weltgeistes fremd geworden war.
Nicht nur das Altern der Neuen Musik beschäftigt den musikphilosophischen Diskurs heute, sondern auch das Altern des adornitischen Denkens darüber.
Gut zehn Jahre nach der letzten, zu Teddies Hundertstem angestrengten Bilanz (darunter die monumentale Biografie von Stefan Müller-Doohm) bricht Gerhard R. Koch, langjähriger Musikchef im Feuilleton der FAZ und Autor dieser Zeitschrift, eine Lanze für die Aktualität des «pessimistischen Aufklärers». Auf knapp 200 Seiten skizziert Koch prägnant und mit kritischer Sympathie die Entwicklung eines großbürgerlichen Intellektuellen, der (nach Auschwitz) alle Hoffnung auf realhistorische Befreiung verlor, sich Widerstand gegen die schlechten Verhältnisse nur von den Künsten, einer «auf fortschrittliche ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 34
von Albrecht Thiemann
Stiffelio» ist neben «Macbeth» Verdis finsterste Oper, aber leider so gut wie unbekannt. In dem 1850 unmittelbar vor dem «Rigoletto» entstandenen Werk finden sich keine die Tragik transzendierenden Aufgipfelungen, keine utopischen Glücksmomente, wie Verdi sie sonst kennt. Das ungewöhnliche Sujet – Lina, der ehebrecherischen Frau des protestantischen Sektenpredigers...
Helge Leiberg sitzt im Parkett des Magdeburger Opernhauses an Overhead-Projektoren und malt. Was er auf die Folien wirft, wird live auf Leinwände und Personen projiziert, auch auf Marie-Luise Strandts weißen Kubus, der mittlerweile zu so etwas wie einem Markenzeichen der Inszenierungen von Arila Siegert geworden ist. Diesmal wirkt er verbraucht. Wenn Titelheld Otto...
Das Jahr 1933 brachte für viele in Deutschland die Katastrophe: Entweder waren sie jüdischer Herkunft oder aber «links» orientiert – am fatalsten wirkte sich aus, wenn beides zusammenkam. Dabei waren die Konnotationen keineswegs einheitlich. Es gab weitgehend assimilierte Juden, zum Teil areligiös – und bisweilen sogar «deutsch» bis zum Nationalen hin. Dann...
