Der verkleidete Kriegsheld
Weiße Kuschelwolken, gleißender Himmel, ruhige See. Die Schönen der Insel aalen sich auf einer schicken, zweistöckigen Landungsbrücke. Ein herrlich süßes ägäisches Nichtstun-Leben auf der Insel Skyos geht einen Tag weiter. Wäre da nicht das so lustig hereintuckernde U-Boot, das nicht nur schnittige Soldaten auswirft, sondern auch Ärger, Kriegsnachrichten, Todesahnung. Am Ende hat sich Paul Steinbergs glamouröse Strand-Szenerie eingedunkelt und verengt. Rot und Schwarz herrschen vor.
Aus Constance Hoffmans edlen neogriechischen Bademoden im Hollywood-Look wurden unversehens Rüstungen und gereckte Schwerter. Und Deidamia, die Tochter des Inselkönigs Licomedes, darf zwar noch ihren Achill notheiraten, doch der muss in den Trojanischen Krieg. Der eigens angereiste Odysseus und sein Land nehmen ihn nämlich in die Pflicht. Er wird nicht mehr zurückkommen. Alle wissen es, dennoch beschwören sie trügerisches Eheglück.
Händels letzte italienische Oper, die 1741 komponierte «Deidamia», führt zu Unrecht ein Schattendasein in dessen Werkverzeichnis. Zwar weist die Partitur keine wirklichen Hits auf, aber man erlebt eine psychologisch glaubwürdige Mythologie, die aus dem üblichen ...
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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Manuel Brug
Der Kreis schließt sich. Was bislang an der logistischen Herausforderung, an den Probenbedingungen und am Geld scheiterte, soll im August auf einem stillgelegten Industriegelände in Birmingham endlich Wirklichkeit werden: die erste komplette Aufführung des «Mittwoch» aus Karlheinz Stockhausens siebenteiligem «Licht»-Zyklus. Mit der Vorbereitung des gigantischen...
Zeitgenössische Opern sollten nach ihrer Uraufführung eine zweite Chance erhalten. Von dieser kulturpolitisch sinnvollen Forderung profitieren leider selten die sperrigen Werke (es sei denn, sie genießen den Kultstatus von Helmut Lachenmanns «Mädchen mit den Schwefelhölzern»), sondern meist Opern, die an das Repertoire, die Tradition, das klassische Gesangsideal...
Bei aller Düsternis, Schwärze und depressiven Kraft hat der Abend auch etwas von einer Etüde. Er wirkt so, als wolle die Oper sich versuchsweise mit dem sogenannten postdramatischen Theater abgleichen. Als würde Andrea Breth, die nicht nur vom Schauspiel kommt, sondern auch Schauspiel unterrichtet, mal ausprobieren, wie viel man rüberholen kann in die andere...
