Der Tor und die Trolle
Natürlich ist es reiner Zufall, dass zeitgleich zur Braunschweiger «Peer Gynt»-Premiere in München NS-Kunst aus dem Depot geholt und mit Zeitgenossen konfrontiert wurde. Wird da aus dem Keller heraufgezerrt, was im Rahmen einer (verspäteten) Entnazifizierungsdebatte dorthin verbannt wurde? Auch in Cottbus war Werner Egks Ibsen-Destillat aus dem Jahr 1938 ja unlängst zu sehen. «Peer Gynt» ist freilich kein Nazi-Stück, sondern eine Oper, in der sich der Zeitgeist der braunen Jahre spiegelt.
Einerseits, vor allem im stark deklamatorischen, am Text entlang komponierten ersten Akt, durchaus volksnah, andererseits in der Welt der Trolle schräg und bizarr, mit Songspielelementen, Showeffekten und Verzerrungen. Der Komponist, der nie Parteimitglied war, sich andererseits aber erfolgreich mehr als nur durchlavierte, hat da etwas geschrieben, das er den Nazis als Denunziation der Entartung anbieten, nach der Zeitenwende aber als Bekenntnis zur damaligen Moderne verkaufen konnte. Eine bajuwarische Variante der Rollenspiele Schostakowitschs, ohne dessen Todesangst, dafür mit gehöriger Schlitzohrigkeit.
In Braunschweig verzichtet Regisseur Dietrich W. Hilsdorf auf alle wohlfeilen ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Rainer Wagner
Frau Sobotka, die Bregenzer Festspiele standen immer unter einem Motto. Sie verzichten jetzt darauf. Warum?
Weil das die Gestaltungsmöglichkeiten einengt. Ich möchte die Entwicklung des Programms offen halten. Wichtiger als Konzepte oder thematische Leitmotive sind für mich Gespräche mit Künstlern und die Auseinandersetzung mit Stücken.
Stefan Herheim wird im...
Knopf drücken, auf Grün warten und rüber zur Freitreppe. So einfach lässt sich derzeit das Augsburger Theater besuchen, ganz unbehelligt von Bauzäunen oder Baggern. Der Vorplatz ist frisch herausgeputzt. Doch was drinnen wartet, verfolgt die Verantwortlichen bis in Leserbriefspalten, Stadtratsdebatten und unruhige Träume. 235 Millionen Euro soll die Sanierung eines...
Die 1963 geborene Lucia Ronchetti ist heute die nach Salvatore Sciarrino prominenteste musikalische Stimme Italiens. Mit Sciarrino verbindet sie das Interesse an Literatur sowie die Theatralizität ihrer Kompositionen, die, selbst wenn sie nicht für die Bühne bestimmt sind, fast immer eine starke szenische Latenz besitzen. In Mannheim kam jetzt ihr jüngstes...
