Der schöne Schein

Verdi: Aida Paris / Opéra Bastille

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Das Gold glänzt, doch sein Glanz ist trügerisch. Hinter dem schönen Schein verbergen sich unselige Machtspiele: die Heuchelei der Kirche, die Selbstherrlichkeit des Militärs, die unzählige Opfer fordert. Damit die Fassade schön strahlt, wienern Reinigungskräfte mit Wischmob, Staubwedel und Putztuch an Tempel und Palast herum. Immer, wenn sich der Vulkantempel dreht und in den Palast verwandelt (und vice versa), lassen Scheinwerfer die Fassade gleißen, dass sich mancher im Publikum in der Opéra Bastille die Hand über die schmerzenden Augen legt.

Man sieht sich zum Wegschauen gezwungen: Die Pracht der Macht hat Olivier Py in seiner «Aida»-Inszenierung zu einer im Wortsinn einleuchtenden Regie-Metapher gesteigert.  

Eine Anklage gegen den Zynismus der Macht und ein Plädoyer für dessen Opfer legt der frisch inthronisierte Leiter des Theaterfestivals in Avignon vor. Unterdrückte Freiheitskämpfe, Nationalismus, Kolonialismus, Fremdenhass, all das evoziert die Inszenierung in eindringlichen Bildern. Während des Vorspiels, vor der Silhouette einer zerschossenen Stadt, schwenkt ein Freiheitskämpfer die italienische Fahne und wird von Soldaten brutal zusammengeknüppelt. Der Bote, der dem ...

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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Mathias Nofze

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