Der kanadische Orpheus
Der Ruhm des französischen Komponisten Henri Duparc beruht – ein einzigartiger Fall in der Geschichte der Musik – auf vierzehn Liedern. Die eindringlichste Aufnahme dieser Mélodies hat Léopold Simoneau hinterlassen. Eine davon trägt den Titel «Élégie». Es ist eine Totenklage. Der erste Vers lautet: «Oh! ne murmurez-pas son nom! qu’il dorme dans l’ombre.» («Oh, haucht nicht seinen Namen, lass ihn ruhen im Schatten»).
In der zweiten Strophe folgt der tröstliche Gedanke, dass die Tränen, die um den Toten vergossen werden, die Erinnerung an ihn frisch und grün halten – Chiffre für einen Elegiker, der zu den Unvergesslichen gehört, auch wenn es zu wenige sind, die ihn nicht vergessen haben: der kanadische Tenor Léopold Simoneau. Es ist symbolhaft, dass ihm mit der Rolle von Christoph Willibald Glucks Orphée in der Aufnahme unter Hans Rosbaud sein sängerisches Meisterstück geglückt ist. Er ist kein feuriger Held. Seine Darstellung hat Noblesse und zeichnet sich aus durch das Pathos der Distanz. Die Formung seiner Phrasen ist von apollinischer Schönheit.
Léopold Simoneaus Stimme war schlank, seidig-fein und silbrig glänzend, reich an changierenden Farben, strömend im Legato, geradezu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nicht eben einfach, dieser Weg zur Kunst. Wer weder Glück noch vertieftes Orientierungsgefühl besitzt, der wird es vermutlich schwer haben, das neue Glanzstück zu finden, das wie eine Fata Morgana unweit des Dresdner Flughafens inmitten einer somnambulen Gartenstadt auftaucht. Für einen Moment hat man das Gefühl, diese Abgeschiedenheit sei vielleicht gewollt,...
An diesen Basler Start wird man noch eine Weile denken. Kaum dass die Aufführung von Sergej Prokofjews «Liebe zu den drei Orangen» fünf Minuten alt war, brach Armin Jordan an jenem Pult zusammen, an dem er von 1971 bis 1989 als Chef gewirkt hatte und jetzt nach siebzehn Jahren erstmals wieder erschienen war. Vier Tage nach diesem Saisoneröffnungsabend des neuen...
«Heute Abend wünschte ich, dass Sie die Aufführung der ‹Theatralischen Abenteuer› sehen könnten; sie wird gewiss vorzüglich werden», schrieb Goethe am 5. Juni 1799 an Schiller. Vorzüglich – bis auf Defizite beim Sängerensemble – geriet auch die Neuproduktion jenes Singspiels beim Pergolesi Spontini Festival. Der Dichterfürst hat es gemeinsam mit seinem Schwager...
