Der andere Impressionismus
Keiner brachte sich so kompromisslos gegen das sogenannte «Regietheater» in Stellung wie Peter Stein. Als er in den frühen Neunzigerjahren Debussys «Pelléas et Mélisande» herausbrachte (er tat das in der Abgeschiedenheit der Welsh National Opera von Cardiff, aber doch zusammen mit Pierre Boulez am Dirigentenpult), setzte er auf eine Lesart, welche die Bühnenanweisungen beim Wort nahm.
Der Turm war der Turm, Mélisande trug ihre blonden Haare so lang, dass sie tatsächlich auf Pelléas herniederfallen konnten, und die Tauben, die aus dem Gemäuer emporfliegen, waren Tauben, richtige Tauben. Klassizistisch wirkte das, ein wenig leblos vielleicht, in seiner Geradlinigkeit aber durchaus eindrucksvoll.
Genau das Gegenteil davon ist im Opernhaus Zürich zu erleben: in einer konzis durchdachten und fabelhaft ausgearbeiteten Produktion von Claude Debussys Oper, die sich radikal von der originalen Einkleidung der Geschichte verabschiedet, das Thema des Stücks vielmehr in ganz eigener Weise aufbereitet. In der Sicht des Regisseurs und Bühnenbildners Dmitri Tcherniakov erscheint das Schloss Allemonde als eine moderne Villa, durch deren Fenster jener dichte Wald sichtbar wird, von dem an ...
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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Peter Hagmann
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Melancholie verschattet die Gesichter der beiden Knattermimen: «In Linz müsste man sein ...» Die süffisante Schlusspointe des legendären Sketchs von 1959 mit Helmut Qualtinger und Johann Sklenka, in dem zwei Provinzschauspieler ihr Leben Revue passieren lassen und ihren Träumen nachhängen, ist längst zum Sprichwort geworden. Ganz im Sinne des hierzulande...
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