Das Geisterhaus

Magdeburg: Britten: The Turn of the Screw

Opernwelt - Logo

Dieses Stück bleibt ein Rätsel. Was passiert denn nun wirklich im einsamen Gutshaus Bly? Sprechen die Geschwister Flora und Miles mit Gespenstern, oder steigert sich ihre Gouvernante nur in Wahnvorstellungen hinein? Myfanwy Piper, die Librettistin von Benjamin Brittens «Turn of the Screw», hält es da mit Henry James, dem Autor der literarischen Vorlage: Der habe sich bewusst darauf beschränkt, eine Atmosphäre des Bösen zu schaffen, die jedermann nach seiner eigenen Fantasie deuten könne.

Auch Regisseur Christian von Götz und sein Ausstatter Lukas Noll gehen in ihrer Magdeburger Inszenierung diesen Weg, weigern sich, eindeutig zur Kindesmissbrauch-Frage Stellung zu beziehen.

Souverän kreieren sie die «Atmosphäre des Bösen» mit den Stilmitteln des klassischen Horrorfilms: Nebel wallen, es blitzt (donnert aber nicht), von Szene zu Szene mutiert der zunächst sommerlich-lichtdurchflutete Landsitz mehr zum Geisterhaus. Die Optik ist dabei zugleich historisch und heutig: Hohe Fenster und das edle Muster der silbrig schimmernden Tapete schaffen ein herrschaftliches Ambiente, Flora und Miles folgen dem Dresscode moderner Teenager. Zunächst meint man, ein Einheitsbühnenbild vor sich zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2010
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Frederik Hanssen

Vergriffen
Weitere Beiträge
Exzellente Wahl

Der Komponist Saverio Mercadante ist auf dem Opernfestival in Wexford schon des Öfteren gewürdigt worden. Nach Aufführungen von «Elisa e Claudio» (1988), «Elena da Feltre» (1997), «Il giuramento» (2002) und «La vestale» (2004) wurde die 59. Spielzeit in diesem Jahr mit einer Neuinszenierung der selten gespielten «Virginia» eröffnet. Mercadante war 56 Jahre alt, als...

Ein Abschied mit Aplomb

Als Christine Mielitz in Dortmund vor acht Jahren als Opernchefin antrat, übernahm sie kein leichtes Erbe. Der Spielplan ihres Vorgängers John Dew hatte sich zuletzt vor allem der Ausgrabung vergessener Werke des französischen Repertoires des 19. und 20. Jahrhunderts verschrieben, was ihm Lob der Presse einbrachte. Die Auslastung aber sank, und die Abos gingen...

Wagner tut gut

 

Herr Rutherford, mit Ihren 38 Jahren dürften Sie der Jüngste sein, der Hans Sachs in Bayreuth gesungen hat, zumindest in den letzten Jahrzehnten.
In den allerletzten vielleicht, doch 1969 sang Norman Bailey dort den Sachs mit gerade sechsunddreißig. Es ist wahrscheinlich nicht die Partie, mit der man normalerweise eine größere Karriere beginnt, aber für mich...