Das fühlende Herz
Der Schritt, den Diana Damrau auf ihrem zweiten Soloalbum macht, ist kühner, als es auf den ersten Blick aussieht. Denn obwohl Mozart schon im Zentrum ihres CD-Debüts gestanden hatte, proklamiert die gefeierte Königin der Nacht nun ihren Anspruch auf einem Terrain, auf dem sie mit den Kronjuwelen ihres Koloratursoprans wenig ausrichten kann: Bei Elvira, Vitellia und der Figaro-Gräfin sind die dunkleren Farben von Seelenschmerz und Melancholie gefragt, die Damrau nur sehr begrenzt zur Verfügung stehen. Ein verlorenes Spiel, sollte man meinen – und wird prompt eines Besseren belehrt.
Denn fast durchweg gelingt Damrau der Nachweis, dass diese Mozart-Frauen durch eine leichtgewichtigere Darstellung keineswegs an Tiefgang verlieren, sondern im Gegenteil an Jugendlichkeit, aber auch an Zerbrechlichkeit gewinnen. Ihre Pamina ist ein echtes Mädchen, dass die Liebe dahinschwinden sieht, noch ehe sie mehr als eine Ahnung von ihr bekommen hat, ihre Gräfin ist nur durch Schicksalslaune zu etwas Besserem geworden als ihre Zofe Susanna. Natürlich kann Damrau im langsamen Teil von «Dove sono» nicht mit den edel betörenden Tönen einer Kiri Te Kanawa oder Margret Price aufwarten, doch sie ...
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Turmhohe Silberhaarperücke, Ballgarderobe, freundliches Lächeln. So stellte man sich Händels Alcina vor, als Joan Sutherland die Rolle mit ihrem Gatten Richard Bonynge am Pult des London Symphony Orchestra auf Schallplatte verewigte. Ein halbes Leben liegt das nun schon zurück, doch noch immer schaut die Alcina der Grand Old Lady des Koloraturgesangs voll...
Der Jubel kannte keine Grenzen. Als im April 1972 an der Bayerischen Staatsoper ein neuer «Rosenkavalier» in der Regie von Otto Schenk herauskam, schrieb Imre Fabian in dieser Zeitschrift: «Die Sensation dieser Premiere hieß Carlos Kleiber» (siehe OW 6/1972). Die Produktion war opulent besetzt: Gwyneth Jones sang die Marschallin, Karl Ridderbusch den Ochs, Lucia...
