Coole Sache
«Echt cool, das Ännchen!» Wenn vierzehnjährige Schüler sich so begeistert zeigen, wenn sie jubeln und johlen beim Schlussapplaus, wenn aus dem unruhigen Haufen zu Beginn ein gebanntes Publikum wird, dann hat das Theater etwas richtig gemacht. Etwa ein Drittel der Plätze war bei der B-Premiere von Carl Maria von Webers «Freischütz» von Schulklassen besetzt – in der Regel ein zweifelhaftes Vergnügen. Am Eingang war der wütende Satz eines Baseballkappe tragenden Teenagers nicht zu überhören gewesen: «Ich bin gezwungen hier!» Doch am Ende nur strahlende Gesichter.
Wie ist es dem Regie führenden Generalintendanten und seinem Team gelungen, die jungen Besucher doch zu begeistern? Mit einer durch und durch konventionellen Inszenierung.
Achim Thorwald lässt die Personage in tümelnden Kostümen (Ute Frühling) weitgehend herumstehen, in romantischen Bildern von Wald und Dorfschenke. Die Wolfsschlucht wurde mit viel Dampf und Gewölk, mit eingespieltem Pferdegetrappel und pantomimischem Selbstmordversuch der Agathe weitgehend so gezeigt, wie man sich Schauerromantisches vorstellt. Es war offensichtlich dieser unmittelbare und durchaus wirkungsvolle Zugang, der die Teenager ansprach. Zumal ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Was die Trefferdichte von Open-Air-Festivals betrifft, so macht der Schweiz niemand was vor. Zwischen Einsiedeln und Frauenfeld, Brülisau und Willisau, Gossau und Appenzell bis nach Ebikon, Etziken, Hilterfingen, Schwanden und Lupfig häufen sich Musik-Festivals wie nirgendwo sonst. Das Wetter muss herrlich sein in der Schweiz. Kein Wunder also, dass auch auf dem...
Wenn der ewig neugierige Nikolaus Harnoncourt und der ungewöhnlich rasch in die Spitze aufgestiegene Regisseur Claus Guth sich eines Werkes annehmen, darf man alles erwarten, nur keine Routineaufführung. Die Herausforderung wächst umso mehr, je repräsentativer der Ort der Präsentation ist, und welcher Ort wäre für Mozart angemessener als Salzburg mit seinen...
Nikolaus Lehnhoff zählt zweifelsohne nicht zu jenem Typus des Opernregisseurs, der sein Heil in plakativen Gesten oder in schrillen Bildern sucht. Lehnhoff interessiert weniger die Außenseite der Figuren als vielmehr die – meist subkutan wirkenden – emotionalen Kräfte, die sie ins Glück oder ins Elend stürzen. Ausgangspunkt seines szenischen Denkens ist stets der...
