Chronik eines angekündigten Todes
Die trauen sich was in Paris: So altmodisch kommt der neue «Werther» der Bastille-Oper daher, dass man unwillkürlich Georges Thill und Ninon Vallin in diesem Pappmaché-Idyll erwartet. Tatsächlich dreht sich in Benoit Jacquots ursprünglich 2004 für Covent Garden entstandener Produktion alles um Werther und Charlotte – sogar die Kamera, die das verhinderte Paar von allen Seiten einfängt. Der Rest ist Konvention, was konkret heißt: keine ablenkenden Aktualisierungsversuche seitens der Regie und wenig Aufmerksamkeit für die übrigen Rollen.
Routinierte Saufseligkeit bei den beiden Schluckspechten Schmidt und Johann; eine Sophie, die angestrengt den Backfisch spielen muss, den man ihr optisch längst nicht mehr abnimmt; und ein Albert, der nicht mehr sein darf als ein miesepetriger Widerling.
Dennoch lohnt die Produktion, weil die beiden Hauptdarsteller den ganzen Rest vergessen lassen: Jonas Kaufmann und Sophie Koch gelingt es – sicher auch dank Jacquots hier sehr konzentrierter Personenregie – Werther und Charlotte zu mitleidstauglichen Figuren zu formen. Gerade im Fall des Titelhelden ist das ja nicht selbstverständlich: Geht man Massenets Dichter mit dem Überdruck eines italienischen ...
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Opernwelt Februar 2011
Rubrik: Medien/DVD, Seite 20
von Jörg Königsdorf
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