Chance genutzt, Chance verpasst
Großer Bahnhof für Wolfgang Wagner, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Einen «fränkischen Sokrates» hatte ihn einst Walter Jens genannt. Fast 60 Jahre leitete er die Bayreuther Festspiele (davon 15 mit seinem Bruder Wieland).
Nun wurde er nicht nur in Haus Wahnfried mit einer Ausstellung geehrt, von der vor allem viele bislang unveröffentlichte Fotos von Stefan Moses in Erinnerung bleiben, sondern auch im Festspielhaus: ein Festakt am Tag vor der Eröffnungspremiere erinnerte musikalisch an die drei riskantesten Premieren der «Ära Wolfgang»: «Tannhäuser», 1972 von Götz Friedrich inszeniert, Patrice Chéreaus «Ring» (1976), Heiner Müllers «Tristan» (1993). Dabei gab Günther Groissböck mit «Wotans Abschied» einen Vorgeschmack auf sein Rollendebüt 2020. Er hat also noch Zeit, manche allzu holzschnitthafte Wendung zu verfeinern. Die Krone des Abends gehörte Waltraud Meier, die die Summe eines ganzen Sängerlebens in «Isoldes Liebestod» packte, noch immer leuchtend im Ton, unnachahmlich in den Farben, von Christian Thieleman und dem Festspielorchester hinreißend subtil begleitet, gerade da, wo die Stimme fragil geworden ist. Natürlich saßen viele Sängerinnen und Sänger im ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Stephan Mösch
Antonio Salieris «Tarare» ist ein veritabler Opernsolitär – zu einer Zeit, als das Musiktheater noch weitgehend normierte, standardisierte Konfektionsware bot. Anders als bei Mozarts oder Paisiellos Vertonungen von Beaumarchais’ beiden «Figaro»-Schauspielen handelt es sich bei dem 1787 an der Pariser Opéra uraufgeführten Werk um ein Originallibretto des...
Frédéric Chopin gilt als «größter polnischer Komponist». Derlei Zuordnungen haben in der Regel ihr Richtiges wie Falsches. Denn trotz seiner Polonaisen und Mazurken war der in Paris lebende Chopin weniger ein nationaler als ein «europäischer» Komponist. Und das, obwohl Friedrich Nietzsche 1888 bekannte: «Ich bin immer noch Pole genug, um gegen Chopin den Rest der...
Viele Namen wurden gehandelt, aber am Ende war es doch eine Überraschung: Den neuen «Ring» der Bayreuther Festspiele 2020 inszeniert der gerade 30-jährige «Ring-Award»-Preisträger Valentin Schwarz, die musikalische Leitung hat der Finne Pietari Inkinen, über dessen erstes Dirigat der Tetralogie im australischen Melbourne «Opernwelt» berichtete (siehe OW 1/2014)....
