Britten: Gloriana
Brittens 1953 als Auftragswerk zur Krönung der englischen Königin Elizabeth II. entstandene Oper «Gloriana» gilt als missglückt und wird nur selten aufgeführt. Die junge Regisseurin Elisabeth Stöppler, die in der letzten Saison «Peter Grimes» in Gelsenkirchen herausgebracht hat, sieht das anders.
Mit ihrer beeindruckend konsequenten und zugleich faszinierend dichten Inszenierung ist ihr eine Gratwanderung gelungen, die dem Stück vorgeworfene Schwächen – Brittens Schwanken zwischen Individualtragödie und morality play, Prunk- und Kammeroper, eigener musikalischer Sprache und Renaissance-Pastiche – als bewusste Entscheidung für eine offene Dramaturgie versteht. Was für die damalige Kritik ein Rückschritt hinter die beklemmende Expressivität von «Peter Grimes» oder «Billy Budd» schien, ist – so jedenfalls legt Stöppler es überzeugend nahe – in Wirklichkeit deren Weiterführung und Öffnung hin zur Multiperspektive der späteren Opern «A Midsummer Night’s Dream» und «Death in Venice» oder den experimentellen Kirchenparabeln.
Im Zentrum der Handlung steht eine verwickelte menschliche Beziehung: die Liebe der alternden Königin Elizabeth I. – Gloriana ist der Name, den ihr Edmund Spencer in ...
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