Blutrot
Die Grazer «Jenufa», im März 2014 herausgekommen und später nach Augsburg weitergezogen, hätte eigentlich «Buryja» heißen müssen. In Peter Konwitschnys Inszenierung war die Küsterin das Kraftzentrum des Geschehens. «Als Stachel steckt sie im Fruchtfleisch fröhlichen Dorftreibens, eine wie aus Glas geschnittene Figur, an der ihre Umwelt sich die Haut aufreißt», hieß es in unserer Besprechung (siehe OW 5/2014).
Dirk Kaftan, seinerzeit als GMD bereits in Graz tätig, zugleich (Noch-) Musikchef in Augsburg, ließ «dazu den Wind heulen», entzündete jenen «göttlichen Funken», der nach Janácek in jedem Menschen wohne. Der CD-Mitschnitt der österreichischen Premierenserie zeugt von Kaftans obsessiver Detailarbeit. Grundlage ist die originale Brünner Fassung von 1908, die ohne die nachträglichen romantisierenden Polituren auskommt.
Im Orchester klingt diese «Jenufa» in der Tat eindringlich, farbenreich, leuchtend intensiv, aber nie überzogen grell. Gal James reizt die Titelpartie in allen charakterlichen Nuancen aus, Dunja Vejzovic ist eine glaubwürdige Alte. Ales Briscein wirkt als Laca authentischer als Taylan Reinhard in der Rolle des Steva. Und Iris Vermillion weitet die Rolle der ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Christoph Vratz
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