Blick in eine andere Welt

Mailand, Puccini: Il trittico

Opernwelt - Logo

Luca Ronconi will mit seiner neuen, ziemlich glatten Inszenierung von Puccinis «Il trittico» offenbar unauffällig an die Tradition anknüpfen. Zugleich zeigt er Haltung – mit realitätsnaher Ironie und einem gehörigen Schuss Zynismus. Puccini war schließlich kein Mann von rechtschaffener Biederkeit. Der beißende Humor des «Gianni Schicchi» hat viel mit dem Minenfeld musika­lischer Doppeldeutigkeiten zu tun, das sich in der Partitur findet: versteckte Anspielungen, triftige Zitate.

Erst hier (die drei Stücke wurden in der üblichen Reihenfolge gegeben), gleichsam auf dem sicheren Grund der Komödie, schien Riccardo Chailly am Pult des Scala-Orches­ters die vielen interessanten Details der Musik ins Visier zu nehmen.
Dabei kam ihm Leo Nuccis famose Gestaltung der ­Titelrolle zupass – ein mühelos, ja geradezu in Bestform agierender Schicchi-Veteran. Er trug als Einziger ein Renaissance-Outfit, während alle anderen wie Leute von heute auftraten (Kostüme: Silvia Aymonino). Sollte der Renaissance-Mensch tatsächlich ehrlicher, weniger verlogen gewesen sein als wir? Das Ensemble vermittelte mit sorgfältig choreografierten Winkelzügen die Habgier und das Intrigantentum der Verwandtschaft.
Als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2008
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Tom Sutcliffe

Vergriffen
Weitere Beiträge
Händel: Tamerlano

Auf der Riesenbühne des Nationaltheaters ein kleines Barocktheater nachbauen zu wollen, ist schlicht absurd. Aber da Münchens neuer «Tamerlano» mit Drottningholm koproduziert wurde, verfielen Regisseur Pierre Audi und Bühnen- und Kostümbildner Patrick Kinmonth auf die Idee, einfach ein paar grüne, gold­verzierte Portalhänger in den Bühnenraum einzupassen. Dazu...

Theatermusik für alle

Es waren starke Worte, die die Hamburger anno 1728 von der Bühne ihres Opernhauses zu hören bekamen: «Adel ohne Tugend Zier / kommt mir wie ein Storchnest für. / Denn auf hoher Bäume Wipfeln / und der höchsten Häu­ser Gipf­feln / hat der Storch zwar sein Quartier / Übrigens hingegen tauget / gar zu nichts das ganze Tier.» Deutlicher als in dieser Arie des Rates...

Am Mythos vorbei

Was es auf sich hat mit den drei Rheintöchtern und mit einem Riesenbett, das wie angeschwemmtes Strandgut aussieht, werden wir wahrscheinlich erst wissen, wenn der neue Hamburger «Ring» geschmiedet ist. Während Ha Young Lee, Gabriele Rossmanith und Ann-Beth Solvang mit berückendem Wohllaut singen, naht eine Gestalt im weißen Schutzanzug und reinigt – oder...