Am Mythos vorbei
Was es auf sich hat mit den drei Rheintöchtern und mit einem Riesenbett, das wie angeschwemmtes Strandgut aussieht, werden wir wahrscheinlich erst wissen, wenn der neue Hamburger «Ring» geschmiedet ist. Während Ha Young Lee, Gabriele Rossmanith und Ann-Beth Solvang mit berückendem Wohllaut singen, naht eine Gestalt im weißen Schutzanzug und reinigt – oder desinfiziert – das Gelände am Fluss. Schon in dieser Szene setzt sich Wolfgang Koch als Alberich darstellerisch und sängerisch fulminant in Szene. Zwischenvorhang.
Das zweite Bild zeigt ein Dachgeschoss.
Auf einem riesigen Tisch steht ein Modell: ein eher grauer als grüner Hügel mit einem kleinen Häuschen. Es werkeln die in Knickerbocker-Hosen gekleideten Götterbübchen: der massige Donner (Jan Buchwald, prachtvoll sonor am Ende mit seinem «He da, he do») und der spillerige Froh (Ladislav Elgr, mit schönem, schlankem Tenor). Wotan liegt schlafend im Sessel und wird, von Fricka geweckt, an den Preis erinnert, der für das perspektivisch weit entfernte Häuschen ausbedungen wurde. Und schon kommen sie, die Riesen vom Berge: breitschultrige Kerle mit den Insignien von Luden oder Schlägern. Ihr Bändiger, der listenreiche Loge, stammt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Normalerweise ist es umgekehrt. Sobald Komponisten sich ein Stück Literatur vornehmen, wird es durch die Musik verallgemeinert, im Tonfall gemildert, oft humanisiert. Was vom Schriftsteller als kühle Diagnose notiert ist, erscheint auf der Musikbühne als Anliegen von primär emotionaler Sprengkraft. So geschehen bei Bergs «Wozzeck», Strauss’ «Salome», Janáceks «Die...
Die Münchner Erstaufführung von Verdis «I masnadieri» fand überraschenderweise am Gärtnerplatztheater statt, das alles auf eine Karte setzte, sogar erstmals die italienische Originalsprache (mit deutschen Obertiteln) wagte und damit auf ganzer Linie gewann. Das betrifft nicht nur das differenziert spielende Orchester unter dem neuen Ersten Kapellmeister, dem...
Auf der Riesenbühne des Nationaltheaters ein kleines Barocktheater nachbauen zu wollen, ist schlicht absurd. Aber da Münchens neuer «Tamerlano» mit Drottningholm koproduziert wurde, verfielen Regisseur Pierre Audi und Bühnen- und Kostümbildner Patrick Kinmonth auf die Idee, einfach ein paar grüne, goldverzierte Portalhänger in den Bühnenraum einzupassen. Dazu...
